Schlagwort-Archiv: Schilddrüsendiagnostik

Szintigrafie bei Schilddrüsenknoten

Schätzungen zufolge hat jeder dritte Deutsche einen oder mehrere Knoten in der Schilddrüse. Dabei handelt es sich entweder um heiße oder kalte Knoten.

Schilddrüsenknoten können sich bei der Sonografie als echoarm (dunkel), echonormal oder echoreich (hell) darstellen. Heiße Knoten sind in der Regel echonormal oder echoreich. Kalte Knoten sind häufig – nicht immer – echoarm (dunkel). Aber eine Sonografie als alleiniges Diagnoseverfahren ist zu unsicher. Deswegen sollte immer zusätzlich eine Szintigrafie durchgeführt führen.

Die Szintigrafie ermöglicht die Unterscheidung zwischen heißen und kalten Schilddrüsenknoten.
Die Szintigrafie ermöglicht die Unterscheidung zwischen heißen und kalten Schilddrüsenknoten.

Die Strahlenbelastung bei einer Szintigrafie der Schilddrüse ist sehr gering. Sie entspricht ungefähr 0,5 msv. Zum Vergleich: Die natürliche Strahlenbelastung der wir ausgesetzt sind liegt bei 1 – 3 msv pro Jahr. Es besteht also wirklich kein nennenswertes, gesundheitliches Risiko, wogegen der diagnostische Nutzen klar im Vordergrund steht. Die Szintigrafie ist ein schmerzfreies und nebenwirkungsarmes Untersuchungsverfahren. Szintigrafie bei Schilddrüsenknoten weiterlesen

Kosten der Schilddrüsendiagnostik

Zu diesem Thema gibt es einen aktuelleren Artikel „Schilddrüsendiagnostik … das kostet die Untersuchung der Schilddrüse“ (30.09.2015)

Abrechnung der Schilddrüsenwerte über die gesetzlichen Krankenversicherungen

Bestimmung der Schilddrüsenhormone

  • TSH: 3,00 EUR
  • fT3: 4,10 EUR
  • fT4: 4,10 EUR

Wenn zusätzlich zum TSH die Gesamthormonkonzentrationen T3 und T4 bestimmt werden entstehen Kosten von 4,50 EUR. Die Bestimmung der Gesamthormonkonzentrationen ist medizinisch nicht empfehlenswert, belastet das Laborbudget des Arztes aber deutlich weniger und wird deswegen häufig veranlasst. Seit 2007 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen neben der Analyse des TSH nur noch die Bestimmung der freien Schilddrüsenhormone. Die einmalige Kontrolle der Schilddrüsenparameter (TSH, fT3 und fT4) kostet seitdem 11,20 EUR! Kosten der Schilddrüsendiagnostik weiterlesen

Informationen zum TSH-Referenzbereich

Weil häufiger nachgefragt wird wie der Stand der Dinge im Hinblick auf den TSH-Referenzbereich ist, möchte ich kurz auf eine aktuelle Veröffentlichung mit dem Titel „The Normal TSH Reference Range: What Has Changed in the Last Decade?“ aufmerksam machen. Diese ist als Volltext kostenfrei abrufbar. Im Literaturverzeichnis des Artikels von Bernadette Biondi finden sich zudem zahlreiche Verweise auf weitere Veröffentlichungen zum Thema.

Bernadette Biondi
The Normal TSH Reference Range: What Has Changed in the Last Decade?
The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism
September 1, 2013 vol. 98 no. 9 3584-3587
http://jcem.endojournals.org/content/98/9/3584.long

Was bedeuten die ICD-10 Diagnoseschlüssel?

ICD-10 steht für die aktuelle International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme). Dabei handelt es sich um ein weltweit anerkanntes, medizinisches Diagnose-Klassifikationssystem, welches von der Weltgesundheitsorganisation entwickelt wurde. In Deutschland sind alle Ärzte verpflichtet, die von ihnen gestellten Diagnosen nach ICD-10 zu verschlüsseln.

Kapitel IV Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten
E00 bis E07 Krankheiten der Schilddrüse

E00 Angeborenes Jodmangelsyndrom

E00.0 Angeborenes Jodmangelsyndrom, neurologischer Typ

E00.1 Angeborenes Jodmangelsyndrom, myxödematöser Typ

E00.2 Angeborenes Jodmangelsyndrom, gemischter Typ

E00.9 Angeborenes Jodmangelsyndrom, nicht näher bezeichnet

E01 Jodmangelbedingte Schilddrüsenkrankheiten und verwandte Zustände

E01.0 Jodmangelbedingte diffuse Struma

E01.1 Jodmangelbedingte mehrknotige Struma

E01.2 Jodmangelbedingte Struma , nicht näher bezeichnet

E01.8 Sonstige jodmangelbedingte Schilddrüsenkrankheiten und verwandte Zustände

E02 Subklinische Jodmangel-Hypothyreose

E03 Sonstige Hypothyreose

E03.0 Angeborene Hypothyreose mit diffuser Struma

E03.1 Angeborene Hypothyreose ohne Struma

E03.2 Hypothyreose durch Arzneimittel oder andere exogene Substanzen

E03.3 Postinfektiöse Hypothyreose

E03.4 Atrophie der Schilddrüse (erworben)

E03.5 Myxödemkoma

E03.8 Sonstige näher bezeichnete Hypothyreose

E03.9 Hypothyreose, nicht näher bezeichnet

E04 Sonstige nichttoxische Struma

E04.0 Nichttoxische diffuse Struma

E04.1 Nichttoxischer solitärer Schilddrüsenknoten

E04.2 Nichttoxische mehrknotige Struma

E04.8 Sonstige näher bezeichnete nichttoxische Struma

E04.9 Nichttoxische Struma, nicht näher bezeichnet

E05 Hyperthyreose [Thyreotoxikose]

E05.0 Hyperthyreose mit diffuser Struma

E05.1 Hyperthyreose mit toxischem solitärem Schilddrüsenknoten

E05.2 Hyperthyreose mit toxischer mehrknotiger Struma

E05.3 Hyperthyreose durch ektopisches Schilddrüsengewebe

E05.4 Hyperthyreosis factitia

E05.5 Thyreotoxische Krise

E05.8 Sonstige Hyperthyreose

E05.9 Hyperthyreose, nicht näher bezeichnet

E06 Thyreoiditis

E06.0 Akute Thyreoiditis

E06.1 Subakute Thyreoiditis

E06.2 Chronische Thyreoiditis mit transitorischer Hyperthyreose

E06.3 Autoimmunthyreoiditis

E06.4 Arzneimittelinduzierte Thyreoiditis

E06.5 Sonstige chronische Thyreoiditis

E06.9 Thyreoiditis, nicht näher bezeichnet

E07 Sonstige Krankheiten der Schilddrüse

E07.0 Hypersekretion von Kalzitonin

E07.1 Dyshormogene Struma

E07.8 Sonstige näher bezeichnete Krankheiten der Schilddrüse

E07.9 Krankheit der Schilddrüse, nicht näher bezeichnet

TSI-Test ermöglicht Ausssagen über Aktivität und Schweregrad der Endokrinen Orbitopathie

Bei dieser Studie wurden insgesamt 240 Probanden (155 Morbus Basedow-Patienten mit Endokriner Orbitopathie, 45 Morbus Basedow-Erkrankte ohne Augenbeteiligung und 40 schilddrüsengesunde Personen) auf das Vorhandensein von TSH-Rezeptor stimulierenden Immunglobulinen (TSI) untersucht. Dabei wurden in 97 % der Fälle, d.h. bei 150 der 155 Morbus Basedow-Patienten mit Endokriner Orbitopathie, TSI festgestellt. Die verbleibenden fünf TSI-negativen Morbus Basedow-Patienten mit Endokriner Orbitopathie hatten sich zuvor einer definitiven Therapie (Radioiodbehandlung, Operation) unterzogen. Die TSI-Titer waren bei den Patienten mit Endokriner Orbitopathie mindestens dreimal so hoch wie bei den Morbus Basedow-Erkrankten ohne Augenbeteiligung bzw. den schilddrüsengesunden Personen. Mit Hilfe des neu entwickelten TSI-Mc4-Tests können demzufolge zuverlässige Aussagen über die Aktivität und den Schweregrad der Endokrinen Orbitopathie getroffen werden.

Quelle: S. D. Lytton, K. A. Ponto, M. Kanitz, N. Matheis, L. D. Kohn, G. J. Kahaly „A Novel Thyroid Stimulating Immunoglobulin Bioassay Is a Functional Indicator of Activity and Severity of Graves’ Orbitopathy“ The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 2010, Vol. 95, No. 5 2123-2131, Abstract

Bedeutung der Antikörper bei der Hashimoto-Thyreoiditis

Ausgangshypothese dieser in Wien durchgeführten Studie war, dass das subjektive Befinden und die Lebensqualität von Hashimoto-Thyreoiditis-Patientinnen nicht nur von der Schilddrüsenstoffwechsellage abhängig ist, sondern auch durch die Höhe der TPO-AK massgeblich beeinflusst wird. Nach Auswertung der Untersuchung von 426 Schilddrüsenpatientinnen (darunter allerdings nur 28 Hashimoto-Thyreoiditis-Erkrankte) kommen die Autoren zu dem Schluss, dass Hashimoto-Thyreoiditis-Patientinnen im Vergleich mit Betroffenen anderer Schilddrüsenerkrankungen unter deutlich mehr Beschwerden leiden und dass dieses Beschwerdespektrum nicht allein durch die Schilddrüsenstoffwechsellage erklärt werden kann.

Quelle: Ott J, Promberger R, Kober F, Neuhold N, Tea M, Huber JC, Hermann M. „Hashimoto’s Thyroiditis Affects Symptom Load and Quality of Life Unrelated to Hypothyroidism: A Prospective Case-Control Study in Women Undergoing Thyroidectomy for Benign Goiter.“ Thyroid. 2010 Dec 27, Abstract

TSH-Referenzbereiche bei Kindern

Im Rahmen einer Schilddrüsendiagnostik wird häufig zunächst nur der TSH-Wert bestimmt. Diesbezüglich ist zu berücksichtigen, daß jedes Labor seine eigenen Referenzbereichsgrenzen ermittelt und es sich hier um ungefähre Angaben handelt die lediglich eine grobe Richtschnur bieten.

Hinzu kommt, dass Laborwerte allein keine ausreichende Aussagekraft haben, sondern die Beurteilung von Schilddrüsenkrankheiten bei Kindern immer das sorgfältige Abwägen von durch das Kind geäußerten Beschwerden, von den Eltern beobachteten Veränderungen sowie Laborbefunden und weiteren Untersuchungen voraussetzt.

TSH-Referenzbereiche in Abhängigkeit vom Lebensalter

Lebensalter bis 10 Tage: TSH-Referenzbereich < 20 mU/I

11 Tage bis 12 Monate: TSH 1,3 bis 8,5 mU/l

1 bis 6 Jahre: TSH 0,8 bis 6,5 mU/l

7 bis 18 Jahre: TSH 0,3 bis 4,5 mU/l

Bei Jugendlichen ist die Obergrenze umstritten. Bei gut entwickelten 16 bis 18 Jährigen muss unter Umständen der TSH-Referenzbereich für Erwachsenen angewendet werden.

Erwachsene: TSH 0,2 bis 2,5 mU/l

Schilddrüsenwerte auf eigene Kosten untersuchen lassen

Immer häufiger beklagen Schilddrüsenpatienten, dass ihre Ärzte sich weigern die Schilddrüsenwerte TSH, fT3 und fT4 in regelmässigen Abständen zu kontrollieren. Oftmals wird als Grund dafür angegeben, dass die jeweilige Krankenkasse des Patienten die Kosten dafür nicht (oder für fT3 und fT4 nur dann, wenn das TSH von der Norm abweicht) übernehmen würde. Das ist falsch!

Aber Recht haben und Recht bekommen sind bekanntlich zweierlei Dinge. Wer also den Arzt trotzdem nicht wechseln und/oder Diskussionen aus dem Weg gehen möchte, kann die Schilddrüsenwerte auf eigene Kosten bestimmen lassen. Entweder beim Arzt als IGeL-Leistung (davon würde ich allerdings abraten, weil es anscheinend einige Ärzte gibt die doppelt abrechnen) oder direkt im ortsansässigen Labor.

Wie funktioniert das?

Hier in Hannover kann man beispielsweise direkt zum Medizinischen Labor Hannover (www.mlh.de) fahren. Dieses ist für Patienten – ohne Terminabsprache – Montags bis Donnerstags in der Zeit von 8.00 Uhr bis 9.30 Uhr geöffnet. Dort gibt man seine persönlichen Daten an und natürlich auch welche Blutwerte man bestimmt haben möchte. Dann wird Blut abgenommen. Die Ergebnisse erhält man schon am nächsten Tag schriftlich mit der Post. Die Rechnung folgt einige Wochen später.

Was kostet das?

FT3 (Faktor 1,15) = 16,76 EUR

FT4 (Faktor 1,15) = 16,76 EUR

TSH (Faktor 1,15) = 16,76 EUR

Blutentnahme (Faktor 1,80) = 4,20 EUR

Versandmaterialkosten (Faktor 1,00) = 3,35 EUR

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zusammen also 57,83 EUR

Wann ist das sinnvoll?

Entscheidend ist, dass Sie entweder selbst in der Lage sind ihre eigenen Schilddrüsenwerte zu interpretieren oder jemanden fragen können, der sich damit auskennt. Es gibt zum Beispiel mehrere Schilddrüsenspezialisten die man um eine Beurteilung/Zweitmeinung bitten kann, wobei dies in der Regel ebenfalls kostenpflichtig ist. Wichtig: Wenn eine Therapieeinleitung oder -anpassung notwendig ist, sollten Sie auf jeden Fall Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt halten!

Temperaturmessmethode nach Barnes

Eine andere alternative Möglichkeit um eine Hypothyreose bei normalen Blutwerten zu diagnostizieren, ist der Test von Broda Barnes auf Grundlage der basalen Körpertemperatur. Dabei misst man mit einem speziellen Basalthermometer oder einem Quecksilberthermometer die Körpertemperatur unmittelbar nach dem Aufwachen. Man beginnt mit der Temperaturmessung am 5. Zyklustag und führt sie 3 bis 5 Tage durch. Bleiben mit den Wechseljahren die Monatsblutungen aus, kann der Test jederzeit durchgeführt werden. Dann errechnet man aus diesen Messwerten eine Durchschnittstemperatur.

Auswertung der Ergebnisse:

  • Liegt die Durchschnittstemperatur unter 36,4 °C, liegt eine Schilddrüsenunterfunktion vor.
  • Liegt die Durchschnittstemperatur zwischen 36,6 und 36,8 °C, besteht die Möglichkeit, dass eine Hypothyreose vorliegt.
  • Liegt die Durchschnittstemperatur über 36,8 °C, liegt keine Schilddrüsenunterfunktion vor.

Pulswellenerscheinungszeit

Seit längerem ist bekannt, dass das Herz-Kreislauf-System sehr empfindlich auf Schilddrüsenfunktionsstörungen und damit verbundene Veränderungen der Schilddrüsenhormonstoffwechsellage reagiert. Mit Hilfe der Pulswellenerscheinungszeit wird die Gefäßstarre der Arterienwände gemessen. Bereits bei einer latenten Hypothyreose ist diese deutlich ausgeprägter als bei gesunden, euthyreoten Personen. Referenzbereich: 204 – 230 msec

(In Anlehnung an: K. Hamano, M. Inoue: „Increased risk for atherosclerosis estimated by pulse wave velocity inhypothyroidism and its reversal with appropriate thyroxine treatment“, Endoc J 2005, 1(52): 95 – 101)