Spezial: Schilddrüse und Psyche

Hashimoto-Thyreoiditis und Morbus Basedow sind keine psychischen Erkrankungen. Und doch führen vielfältige psychische Beschwerden aufgrund einer Schilddrüsenfehlfunktion nicht selten zu entsprechenden Fehldiagnosen wie Burnout, Depression, Angsterkrankung oder Panikstörung. 

Dieses Themen-Spezial wurde zuletzt am 23.11.18 aktualisiert.

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Im Hinblick darauf wird die Symptomatik im Wesentlichen dadurch bestimmt, ob eine Schilddrüsenunterfunktion (zu wenige Schilddrüsenhormone, Hypothyreose) oder eine Schilddrüsenüberfunktion (zu viele Schilddrüsenhormone, Hyperthyreose) vorliegt. Sobald medikamentös eine ausgeglichene Stoffwechsellage (Euthyreose) erreicht wird, klingen die Beschwerden üblicherweise ab.

Psychische Krankheitssymptome bei der Hashimoto-Thyreoiditis(Schilddrüsenunterfunktion)

Müdigkeit, scheinbar grundlose Erschöpfung, Antriebsarmut, allgemeine Lustlosigkeit, Ängstlichkeit, Schreckhaftigkeit, Überforderungsgefühle , Konzentrations- und Gedächtnisschwäche, Ein- und Durchschlafstörungen, Melancholie, trübsinnige Gedanken, Weinerlichkeit, Tränenausbrüche schon bei kleinsten Anlässen, Verzweiflung

Psychische Krankheitssymptome beim Morbus Basedow (Schilddrüsenüberfunktion)

Nervosität, Hektik, Unruhe, Rastlosigkeit, nicht Stillsitzen können, gesteigerter Bewegungsdrang, Zittern insbesondere der Hände, Angst- und Panikattacken, Schlafstörungen, Gereiztheit und Aggressionen bis hin zu  Wutanfällen

Bisher veröffentlichte Texte zum Thema “Schilddrüse und Psyche”

01.09.18 → Wochenbettdepression: Schilddrüsenstörung kann die Ursache sein
13.06.18 → Verhängnisvolle, psychische Fehldiagnosen bei SchilddrüsenpatientInnen
03.05.18 → Starker Zusammenhang von Depressionen und Angsterkrankungen mit chronischer Erkrankung der Schilddrüse
15.11.17 →  Eine kranke Schilddrüse stört den Seelenfrieden
06.02.17 → Endokrines Psychosyndrom
04.03.16 →  Hashimoto-Thyreoiditis: Die Auswirkungen auf die Psyche sind extrem belastend!
25.09.14 →  Psychische Erkrankungen – Oft Fehldiagnosen bei Schilddrüsenpatienten!

Was kann man zusätzlich zur schulmedizinischen Behandlung selbst tun?

Nachfolgend einige Tipps:

  • Einnahme von Heilpflanzen wie Melisse, Baldrian, Hopfen, Passionsblume, Johanniskraut, Lavendel oder Rosenwurz.
  • Auf eine ausreichende Nährstoffversorgung mit dem Mineralstoff Magnesium, dem Spurenelement Eisen sowie den Vitaminen des B-Komplexes achten.
  • Eine Entspannungstechnik lernen, beispielsweise Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Yoga oder Qi Gong.

Studienergebnisse

Bei einer italienischen Studie wurden Personen mit hohen TPO-AK-Titern, echoarmem Schilddrüsenultraschall sowie normalen TSH sowie fT3 und fT4-Werten einbezogen. Die Arbeitsgruppe kam zu dem Schluß, dass das Zentrale Nervensystem offenbar weit stärker bei der Hashimoto-Thyreoiditis mitbetroffen ist, als bisher angenommen wurde. Auch bei euthyreoter Stoffwechsellage können kognitive Defizite wie mangelnde Gedächtnisleistungen sowie Konzentrationsschwierigkeiten bestehen bleiben. (M. Piga, A. Serra, L. Deiana, G. L. Loi, L. Satta, M. Di Liberto, S. Mariotti: „Brain perfusion abnormalities in patients with euthyroid autoimmune thyroiditis“, Eur J Nucl Med Mol Imaging 2004, 12(31): 1639 – 1644)

Als Nebeneffekt wurde bei der Greifswalder T3/T4-Studie festgestellt, dass Patienten mit einer autoimmunen Schilddrüsenerkrankung bei den neuropsychologischen Tests schlechter abschnitten. Diese Ergebnisse weisen nach Ansicht der Arbeitsgruppe darauf hin, dass bei autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen das Beschwerdespektrum nicht nur durch die Schilddrüsenhormonspiegel erklärt werden kann. (W. Meng u. a.: „Replacement therapy with levothyroxine plus triiodothyronine is not superior to thyroxine alone to improve well-being and cognitive performance in hypothyroidism”. Clin Endoc 2004, 6(60): 750 – 757)

Zum Thema trotz guter Einstellung mit Schilddrüsenhormonen persistierender psychischer Symptome wie Konzentrationsstörungen, Depressionen und Angstzuständen lief vor einiger Zeit auch eine Studie in Magdeburg. Dort vermutete man, dass es bei einer bestimmten Gruppe von Patienten mit Hashimoto-Thyreoiditis zu einer Ausweitung des Autoimmunprozesses auf die Nervenzellen im Gehirn kommt. Zu den Ergebnissen dieser Studie liegen mir aktuell leider keine Informationen vor. Wenn Sie Näheres wissen, freue ich mich über einen Hinweis.

Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg konnten nachweisen, dass es eine deutliche Verknüpfung von depressiven Erkrankungen und Angststörungen mit einer Autoimmunthyreoiditis (autoimmun bedingte Entzündung der Schilddrüse, Hashimoto-Thyreoiditis) gibt.


Nicole Rolfsmeier:

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