Spezial: Schilddrüse und Psyche

Hashimoto-Thyreoiditis und Morbus Basedow sind keine psychischen Erkrankungen. Und doch führen vielfältige psychische Beschwerden aufgrund einer Schilddrüsenfehlfunktion nicht selten zu entsprechenden Fehldiagnosen wie Burnout, Depression, Angsterkrankung oder Panikstörung. 

Dieses Themen-Spezial befindet sich seit dem 16.11.17 im Aufbau. Es wird in den nächsten Wochen noch erweitert. 

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Im Hinblick darauf wird die Symptomatik im Wesentlichen dadurch bestimmt, ob eine Schilddrüsenunterfunktion (zu wenige Schilddrüsenhormone, Hypothyreose) oder eine Schilddrüsenüberfunktion (zu viele Schilddrüsenhormone, Hyperthyreose) vorliegt. Sobald medikamentös eine ausgeglichene Stoffwechsellage (Euthyreose) erreicht wird, klingen die Beschwerden üblicherweise ab.

Psychische Krankheitssymptome bei der Hashimoto-Thyreoiditis(Schilddrüsenunterfunktion)

Müdigkeit, scheinbar grundlose Erschöpfung, Antriebsarmut, allgemeine Lustlosigkeit, Ängstlichkeit, Schreckhaftigkeit, Panikattacken, Reizbarkeit mit dem Gefühl “alles wird zu viel”, Konzentrations- und Gedächtnisschwäche, Ein- und Durchschlafstörungen, Melancholie, trübsinnige Gedanken, Weinerlichkeit, Tränenausbrüche schon bei kleinsten Anlässen, Verzweiflung

Psychische Krankheitssymptome beim Morbus Basedow (Schilddrüsenüberfunktion)

gesteigerte Reflexe, Nervosität, Unruhe, Konzentrationsschwäche, Rastlosigkeit, gesteigerter Bewegungsdrang, Zittrigkeit, Schreckhaftigkeit, Angst- und Panikattacken, Schlafstörungen (typisch: trotz größter Müdigkeit/Erschöpfung nicht einschlafen können), Gereiztheit/Aggressionen/Wutanfälle (typisch: der Erkrankte ist oft schon aus nichtigen Anlässen „von Null auf 100“), starke Stimmungsschwankungen („himmelhochjauchzend – zu Tode betrübt“), die an manisch-depressive Zustände erinnern (und mit diesen verwechselt werden können), selten regelrechte Psychosen, delirium-artige Erregungszustände oder Apathie. Epileptiker können zu verstärkten Krampfanfällen neigen (Quelle: Gastartikel von Jutta Knopp “Morbus Basedow –  Informationen zum Krankheitsbild“)

Bisher veröffentlichte Texte zum Thema “Schilddrüse und Psyche”

E-Book: Nicole Rolfsmeier “Psychische Aspekte der Diagnose Hashimoto-Thyreoiditis”

Siehe dazu auch die ausführliche Leseprobe zum Endokrinen Psychosyndrom

Nicole Rolfsmeier: Psychische Aspekte der Diagnose Hashimoto-Thyreoiditis (Amazon-Partnerlink). E-Book-Preis: 0,99 EUR

Was kann man zusätzlich zur schulmedizinischen Behandlung selbst tun?

Nachfolgend einige Tipps von Betroffenen:

Studienergebnisse

Bei einer italienischen Studie wurden Personen mit hohen TPO-AK-Titern, echoarmem Schilddrüsenultraschall sowie normalen TSH sowie fT3 und fT4-Werten einbezogen. Die Arbeitsgruppe kam zu dem Schluß, dass das Zentrale Nervensystem offenbar weit stärker bei der Hashimoto-Thyreoiditis mitbetroffen ist, als bisher angenommen wurde. Auch bei euthyreoter Stoffwechsellage können kognitive Defizite wie mangelnde Gedächtnisleistungen sowie Konzentrationsschwierigkeiten bestehen bleiben. (M. Piga, A. Serra, L. Deiana, G. L. Loi, L. Satta, M. Di Liberto, S. Mariotti: „Brain perfusion abnormalities in patients with euthyroid autoimmune thyroiditis“, Eur J Nucl Med Mol Imaging 2004, 12(31): 1639 – 1644)

Als Nebeneffekt wurde bei der Greifswalder T3/T4-Studie festgestellt, dass Patienten mit einer autoimmunen Schilddrüsenerkrankung bei den neuropsychologischen Tests schlechter abschnitten. Diese Ergebnisse weisen nach Ansicht der Arbeitsgruppe darauf hin, dass bei autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen das Beschwerdespektrum nicht nur durch die Schilddrüsenhormonspiegel erklärt werden kann. (W. Meng u. a.: „Replacement therapy with levothyroxine plus triiodothyronine is not superior to thyroxine alone to improve well-being and cognitive performance in hypothyroidism”. Clin Endoc 2004, 6(60): 750 – 757)

Zum Thema trotz guter Einstellung mit Schilddrüsenhormonen persistierender psychischer Symptome wie Konzentrationsstörungen, Depressionen und Angstzuständen lief vor einiger Zeit auch eine Studie in Magdeburg. Dort vermutete man, dass es bei einer bestimmten Gruppe von Patienten mit Hashimoto-Thyreoiditis zu einer Ausweitung des Autoimmunprozesses auf die Nervenzellen im Gehirn kommt. Zu den Ergebnissen dieser Studie liegen mir aktuell leider keine Informationen vor. Wenn Sie Näheres wissen, freue ich mich über einen Hinweis.