Spezial: Ernährung bei Hashimoto-Thyreoiditis

Eine grundsätzliche und dauerhafte Ernährungsumstellung ist bei Hashimoto-Thyreoiditis nicht erforderlich!

Dieses Themen-Spezial wird fortlaufend aktualisiert. Zuletzt am 27.10.17. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse werden nach Möglichkeit zeitnah berücksichtigt. Sollten Ihnen im Hinblick darauf aktuelle Studien bekannt sein, freue ich mich über einen entsprechenden Hinweis per E-Mail.

Quelle: pixabay.com / User: jill111 / Lizenz: CC0

Es gibt die unterschiedlichsten Ernährungsempfehlungen für Hashimoto-Thyreoiditis-PatientInnen, wobei im Hinblick darauf zum einen problematisch ist, dass nur wenige der Aussagen medizinisch-wissenschaftlich überprüft wurden. Zum anderen werden häufig ethische Sichtweisen (ökologisch produzierte Lebensmittel, artgerechte Tierhaltung, vegane oder vegetarische Ernährung) mit individuellen Lebensmittelunverträglichkeiten (Fructose, Lactose, Gluten) und Theorien bzgl. der möglichen Ursachen der Hashimoto-Thyreoiditis in zweifelhafte Zusammenhänge gebracht.

Hashimoto-Thyreoiditis und Ernährung: Was wir wirklich wissen!

Lebensmittel die einen Einfluss auf die Schilddrüsenfunktion bzw. die Aufnahme der Schilddrüsenhormone haben

Isoflavon-haltige Getreide (Soja, Hirse) und thiocyanit-haltige Gemüse (Blumenkohl, Weißkohl, Kohlrabi, Wirsing, Rosenkohl) sollten bei einer als Folge der Hashimoto-Thyreoiditis auftretenden Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) nur in Maßen genossen werden, weil sie die Schilddrüsenhormonproduktion hemmen können. Flavonoide beeinträchtigen die Produktion der Schilddrüsenhormone. Thiocyanate behindern die Aufnahme von Jod (wichtiger Baustoff für die Schilddrüsenhormone) in die Schilddrüse

Wird ein Schilddrüsenhormonpräparat eingenommen dauert die Aufnahme des enthaltenen Wirkstoffes L-Thyroxin einige Zeit. Die zeitgleiche Einnahme von Abführmitteln führt dazu, dass die Schilddrüsenhormone nicht vollständig aufgenommen und teilweise sogar ungenutzt mit dem Stuhl einfach wieder ausgeschieden werden.


Gewichtsabnahme trotz Hashimoto-Thyreoiditis

Es gibt etliche Hashimoto-Thyreoiditis-PatientInnen die auch nach Erreichen einer ausgeglichenen Stoffwechsellage (Euthyreose) unter hartnäckigen Gewichtsproblemen leiden. Dabei handelt es sich allerdings in der Regel nicht um krankhaftes Übergewicht (Adipositas, BMI über 30) sondern lediglich “um ein paar Kilo zu viel”. Auch das kann im Einzelfall belastend sein und/oder dem eigenen Schönheitsideal widersprechen.

In der Einstellungsphase mit einem Schilddrüsenhormonpräparat ist eine Diät nicht unbedingt sinnvoll. Eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) ist für den Körper belastend, bringt diesen erheblich durcheinander und man sollte ihm deshalb zunächst Zeit geben ein gesundes Gleichgewicht wiederzuerlangen.


Hashimoto-Thyreoiditis und das Spurenelement Jod

Es ist unter Medizinern allgemein unstrittig, dass hohe Dosen Jod eine Hashimoto-Thyreoiditis auslösen und den Krankheitsverlauf verschlimmern können. Diskutiert wird allerdings darüber welche täglich aufgenommene Menge Jod für Hashimoto-Thyreoiditis-PatientInnen unbedenklich bzw. gefährlich ist.

Im Hinblick darf darf man allerdings nicht vergessen, dass Jod der wichtigste Grundstoff für die Schilddrüsenhormone ist. Und solange nicht der gesamte Tagesbedarf an Schilddrüsenhormonen substituiert wird, brauchen auch Hashimoto-Thyreoiditis-PatientInnen eine gewisse Menge Jod.

Die Einnahme von jodhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln sowie der Verzehr von Algenprodukten mit teilweise sehr hohem Jodanteil sollte auf jeden Fall unterbleiben. “Die verschiedensten Algenprodukte werden als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Dazu gehören Süßwasseralgen wie Spirulina oder Chlorella, AFA-Algen und auch verschiedene Meeresalgen-Produkte. Zu den Meeresalgen gehören Braunalgen wie der Blasentang (Fucus vesiculosus), die Sorten Kombu, Wakame und Hijiki. Oft kommen sie unter dem Sammelnamen “Seetang” in den Handel, Nahrungsergänzungsmittel werden auch oft als Kelp bezeichnet. Angeboten werden aber auch Rotalgen als Flocken oder Kapseln. Diese können besonders viel Jod anreichern, da sich Jod im Meerwasser anreichert und von manchen Algenarten gespeichert wird.” (Quelle: verbraucherzentrale.de, Zugriff am 12.10.17)

Im Gegensatz zu dieser schulmedizinischen Sichtweise gibt es vereinzelt Heilpraktikerinnen die Jod auch im Rahmen der Therapie der Hashimoto-Thyreoiditis einsetzen. Dem kann man angesichts der fehlenden Nachweise momentan nur mit Skepsis begegnen.

In Deutschland wurde dieses Thema beispielsweise von Kyra Hoffmann und Sascha Kauffmann in dem Buch “Jod. Schlüssel zur Gesundheit. Wiederentdeckung eines Heilmittels” aufgegriffen.

Quelle: www.netzwerk-frauengesundheit.com (Zugriff am 23.10.17)

Für mich – und ich beschäftige mich seit 15 Jahren mit der Hashimoto-Thyreoiditis – sind die Aussagen nicht seriös. Die genauen Ursachen für die Hashimoto-Thyreoiditis konnten bislang noch nicht zweifelsfrei wissenschaftlich geklärt werden. Eine ursächliche Behandlung des zugrundeliegenden Autoimmunprozesses ist derzeit ebenfalls noch nicht möglich.

Selen-Substitution bei Hashimoto-Thyreoiditis

Neben Jod ist Selen das einzige Spurenelement zu dem mehrere, verlässliche Studien vorliegen. Aber auch diesbezüglich gilt nicht das Motto “viel hilft viel” sondern die täglich eingenommene Selen-Dosis sollte bei Hashimoto-Thyreoiditis-PatientInnen zwischen 50 und 300 µg liegen.

Die Kosten der ergänzenden Selen-Therapie bei der Hashimoto-Thyreoiditis werden bislang nur von wenigen privaten Krankenkassen übernommen, so dass die meisten Hashimoto-Thyreoiditis-PatientInnen einen Selbstversuch mit einem frei verkäuflichen Selen-Präparat machen. Im Hinblick darauf ist eine kurmäßige Einnahme von 100 bis 200 μg Selen täglich über einen Zeitraum von 3 bis 6 Monaten sinnvoll.

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Um eine Überdosierung zu vermeiden kann es sinnvoll sein bei längerer bzw. höher dosierten Einnahme den Selenspiegel im Blut kontrollieren zu lassen. Die Kosten von ca. 30,- EUR müssen allerdings meistens als IGeL-Leistung selbst bezahlt werden.

Vitamin D-Mangel im Zusammenhang mit der Hashimoto-Thyreoiditis

Es gibt erste interessante und viel versprechende wissenschaftliche Untersuchungen die einen Zusammenhang zwischen der Hashimoto-Thyreoiditis und einem Vitamin D-Mangel belegen.

Aufgrund des geringen Nebenwirkungspotentials kann die Einnahme von täglich 1000 I.E Vitamin D über die Wintermonate hinweg bereits jetzt empfohlen werden. In dieser Dosierung sind entsprechende Präparate in Deutschland weder rezept- noch apothekenpflichtig.

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Von höheren Dosierungen – die beispielsweise über ausländische Internetseiten bestellt werden können – ist “in Eigenregie” eher abzuraten. Stattdessen sollte vorher auf jeden Fall ein Arzt zu Rate gezogen werden, der die entsprechenden Laborwerte kontrollieren und bei einem Mangel geprüfte deutsche Präparate verordnen kann deren Kosten dann in der Regel auch von der Krankenkasse übernommen werden!


Gluten als mögliche Ursache der Hashimoto-Thyreoiditis

Auf einschlägigen Internetseiten, themenbezogenen Weblogs oder in den sozialen Netzwerken wird einerseits der Eindruck erweckt, dass die Ursachen für die Hashimoto-Thyreoiditis längst zweifelsfrei feststünden und andererseits gleich mit einer entsprechenden Ernährungsumstellung die vermeintliche Lösung präsentiert. Aber egal wie interessant die Erklärungsmodelle und wie vielversprechend die Therapieversuche auch sein mögen – es ist derzeit noch (?) nichts bewiesen!

Im Hinblick darauf ist außerdem anzumerken, dass exotische und demzufolge kostspielige Lebensmittel aus exklusiven Bezugsquellen täglich in aufwendigen Rezepten verarbeitet für die Mehrheit der Hashimoto-Thyreoiditis-PatientInnen ohnehin keine dauerhafte Option darstellen.

Fructose- und Lactose-Unverträglichkeit bei Hashimoto-Thyreoiditis-PatientInnen

Es gibt erste Hinweise darauf, dass die unterschiedlichen Kohlehydrate von Hashimoto-Thyreoiditis-PatientInnen nicht so gut vertragen werden. Beispielsweise zeigen Erfahrungen aus der Schilddrüsenselbsthilfe, dass oft begleitend eine Fructose- und/oder Lactose-Unverträglichkeit auftritt. Über einen möglichen ursächlichen Zusammenhang ist jedoch bisher nichts bekannt. Weitere Studien sind notwendig.

“Unter den euthyreoten HT-Patienten konnte ein signifikant häufigeres Auftreten der Fruktose- sowie der Laktosemalassimilation im Vergleich zu den schilddrüsengesunden Kontrollpersonen demonstriert werden. Die Fruktosemalassimilation wurde bei den HT-Patienten mit 48,9% signifikant häufiger als in der Kontrollgruppe nachgewiesen. Im Kontrollgruppenkollektiv hatte eine Fruktosemalassimilation lediglich bei 26,3% der Probanden bestanden. Eine Laktosemalassimilation wurde bei den HT-Patienten mit 42,2% signifikant häufiger als im Kontrollkollektiv diagnostiziert, welches in 21,1% der Fälle eine Laktosemalassimilation aufwies.” (Quelle: Steffen Heckl, Kohlenhydratmalassimilation bei der Hashimoto-Thyreoiditis, Dissertation 2016, uni-wuerzburg.de)

Diesbezüglich ist allerdings interessant, dass in erster Linie die Lactose verteufelt wird – bis hin zu der Empfehlung, dass Hashimoto-Thyreoiditis-PatientInnen Milch und Milchprodukte grundsätzlich vermeiden müssten. Auf mögliche Probleme mit Fructose wird eher selten eingegangen und eigentlich nie zum Verzehr auf Obst oder die angesagten grünen Smoothies geraten.

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