“Schlucktest der Schilddrüse” ist kein Ersatz für eine seriöse Vorsorgeuntersuchung!

“Schlucktest der Schilddrüse” ist obsolet

Vor mehr als 30 Jahren wurde in den USA der sogenannte “Schlucktest der Schilddrüse” populär. Dieser Test sollte dem erfahrenen Arzt neben der Tastuntersuchung (Palpation) einen weiteren Anhaltspunkt für die Einschätzung der Lage und Größe der Schilddrüse sowie möglicherweise vorhandene größere Schilddrüsenknoten geben. Hintergrund waren die zu der Zeit noch weit verbreiteten Schilddrüsenvergrößerungen (Jodmangelstrumen) mit und ohne Knotenbildung.

Keine Aussagekraft im Hinblick auf die Schilddrüsenfunktion sowie Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse

Damals sogar in universitären Lehrbüchern [1] ausführlich beschrieben wurde allerdings auch früher bereits ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der “Schlucktest der Schilddrüse” keinerlei Rückschlüsse auf die Funktion der Schilddrüse zulässt und die entsprechenden Schilddrüsenparameter (fT3, fT4, TSH) immer parallel bestimmt werden müssen. Auch Autoimmunprozesse der Schilddrüse (Hashimoto-Thyreoiditis, Morbus Basedow) können nur durch begleitende Analyse der Autoantikörper (TPO-AK, TG-AK, TRAK) sicher diagnostiziert werden.

Schilddrüsensonografie ist das Mittel der Wahl

Mit der Weiterentwicklung der Ultraschalldiagnostik [2] verlor der “Schlucktest der Schilddrüse” zunehmend an Bedeutung. Dies gilt insbesondere für die Industrienationen in denen Ultraschallgeräte flächendeckend für die zuverlässige, aussagekräftige und kostengünstige  Schilddrüsensonografie zur Verfügung stehen.

Fazit: Eine Untersuchung zur Früherkennung einer Schilddrüsenerkrankung sollte neben der TSH-Bestimmung immer auch eine Sonografie der Schilddrüse umfassen.

[1] Terry J. Smith, Chapter 138, Neck and Thyroid Examination. In: Walker HK, Hall WD, Hurst JW “Clinical Methods: The History, Physical, and Laboratory Examinations” 3rd Edition, Boston 1990
[2] Verein Ultraschall-Museum e.V.: Geschichte der Ultraschalldiagnostik