Schilddrüsenkrank in den Urlaub

Urlaub an Nord-und Ostsee
Urlaub an Nord-und Ostsee

Während einer akuten Krankheitsphase, z.B. einer manifesten Schilddrüsenüberfunktion beim Morbus Basedow, ist von anstrengenden Urlaubsreisen mit Langzeitflügen und extremen Temperaturwechseln grundsätzlich abzuraten. Die medikamentöse Einstellung erfordert eine konstante, medizinische Betreuung. Auch unmittelbar vor oder nach einer Schilddrüsenoperation oder Radioiodtherapie sind Fernreisen oder Urlaubsaufenthalte in jodhaltiger Luft, beispielsweise an der Nordsee, nicht empfehlenswert.

Wenn die Diagnose schon etwas länger zurückliegt, die Schilddrüsenerkrankung medizinisch gut behandelt wird, normale Schilddrüsenwerte vorliegen und dadurch im Alltag eine weitgehende Beschwerdefreiheit besteht, gibt es für schilddrüsenkranke Patienten keine generellen Einschränkungen bezüglich Urlaubsreisen. Im Zweifelsfall, d.h. insbesondere bei Vorliegen weiterer Erkrankungen und Einnahme zusätzlicher Medikamente, sollte jedoch immer die Rücksprache mit dem behandelnden Arzt gesucht werden.

Heilbäder mit Jodquellen

Grundsätzlich gilt, wer auf Jod empfindlich reagiert, weil er z.B. an einer Hashimoto-Thyreoiditis oder einem Morbus Basedow erkrankt ist, sollte auf den Urlaub in Heilbädern mit Jodquellen lieber verzichten. Dazu zählen in Deutschland beispielsweise: Bad Bevensen, Bad Endorf, Bad Hall, Bad Schwartau, Sulzbrunn im Allgäu, Bad Tölz, Bad Westernkotten, Bad Wiessee am Tegernsee, Nordseebad Dangast sowie die Ostseeheilbäder Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin. Im Gegensatz dazu wird bei den früher weit verbreiteten, heute jedoch nur noch selten vorkommenden Jodmangelerkrankungen der Schilddrüse ein Aufenthalt in diesen Kurorten empfohlen.

Urlaub an der Nord- und Ostsee

Ob ein Urlaub an der Nordsee mit ihrer jodhaltigen Luft für Schilddrüsenkranke gut oder schlecht ist, dazu gibt es sehr unterschiedliche Meinungen. Die Verträglichkeit ist sicher individuell unterschiedlich. Aber grundsätzlich gilt: Jod wird nicht nur über die Ernährung, sondern auch über die Haut (z.B. beim Baden im Meer) und die Atemwege aufgenommen. Deshalb kann ein Aufenthalt an der Nordsee bei empfindlichen Personen durchaus zu Befindensverschlechterungen führen.

Wissenswertes zum Jodgehalt der Luft:

  1. Direkt am Meer ist der Jodgehalt der Luft höher als im Binnenland.
  2. Aufgrund der Wasserverdunstung ist der Luft-Jodgehalt im Sommer höher als im Winter.
  3. Während der Ebbe wird vermehrt Jod aus den Schlickflächen (Braunalgen, Blasentang) in die Luft freigesetzt.

Ein Urlaubsaufenthalt an der Ostsee wird hingegen von den meisten Schilddrüsenpatienten problemlos vertragen.

Allgemeine Ratschläge zum Baden im Meer:

  1. Nicht länger als 30 Minuten am Stück baden und schwimmen.
  2. Nach dem Aufenthalt im Meerwasser kurz abduschen.

Auslandsreise

Bei einer bestehenden Überfunktion der Schilddrüse sollten sehr anstrengende, weil den Kreislauf stark belastende Reiseziele wie das sauerstoffärmere Hochgebirge oder Gegenden mit einem schwül-heißen Klima (Tropenregionen) besser gemieden werden.

Wer auf Jod in der Ernährung empfindlich reagiert, sollte sich vorher genau erkundigen wie das Thema im jeweiligen Urlaubsland gehandhabt wird. Von verstärkten gesundheitlichen Problemen berichteten Schilddrüsenpatienten, die in China (Hongkong), Japan oder USA waren.

Reiseschutzimpfungen

Ob Reiseschutzimpfungen die Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse (Morbus Basedow, Hashimoto-Thyreoiditis) auslösen oder verschlechtern können wird seit längerem kontrovers diskutiert. Nachfolgend ein Zitat des Schilddrüsenspezialisten Prof. Heufelder “Patienten mit Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse, insbesondere mit Morbus Basedow, sollten vor der Applikation bestimmter Impfungen wie z.B. der Gelbfieber-Impfung mit ihrem Schilddrüsenarzt sprechen. Durch die Impfungs-bedingte Stimulation des Immunsystems können in Einzelfällen Probleme durch eine Aktivierung des Morbus Basedow auftreten. Es empfiehlt sich, derartige notwendige Impfungen mit genügendem zeitlichen Abstand zum Reiseantritt durchführen zu lassen, um mögliche erst im Urlaub auftretende Probleme zu vermeiden. Ansonsten sind durch Reise-relevante Impfungen und Prophylaxemedikamente kaum Probleme zu erwarten. Bei der Malaria-Prophylaxe empfiehlt es sich, zwischen der Einnahme von Schilddrüsenmedikamenten und Malaria-Prophylaktika etwa eine Stunde vergehen zu lassen.” (Prof. Dr. Heufelder “Schilddrüsenerkrankungen und Urlaubsreisen” 05.07.06, Journal MED).

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Reiseapotheke

Das Wichtigste ist – Die Medikamente nicht vergessen! Bei Flugreisen die Medikamente unbedingt im Handgepäck unterbringen falls der Koffer verloren geht. Für USA-Reisende ist ein ärztliches Attest über die Art der Schilddrüsenerkrankung und Dosierung der Medikamente empfehlenswert.

Neben den ärztlich verordneten Schilddrüsenmedikamenten sollte eine Reiseapotheke folgendes enthalten:

  • Pinzette und Schere
  • Wunddesinfektionsmittel
  • Wundheilsalbe
  • Verbandsmaterial
  • Fieberthermometer
  • Mittel gegen Schmerzen, Fieber und Erkältungssymptome
  • Medikamente gegen Reiseübelkeit und Erbrechen
  • Mittel gegen Verstopfung
  • Medikament gegen Durchfall
  • Elektrolytlösung
  • Salbe zur Anwendung bei Sonnenbrand und Insektenstichen

Lagerung der Schilddrüsenmedikamente

Schilddrüsenhormone sollten möglichst nicht längere Zeit über 25°Celsius, nur bei geringer Luftfeuchtigkeit und dunkel gelagert werden. Deshalb einige Tipps: Auf Reisen grundsätzlich nur den benötigten Bedarf und nicht die komplette 3-Monatspackung mitnehmen. Die Medikamente nicht im Handschuhfach des Autos transportieren oder auf der Fensterbank eines überheizten Hotelzimmers lagern, sondern z.B. in einer Thermobox verstauen oder in einer Schublade aufbewahren.

Schilddrüsenmedikamente & Zeitverschiebung

Die regelmässige Einnahme von Schilddrüsenmedikamenten ist zwar sehr wichtig, andererseits ist das einmalige Auslassen oder einmalig zeitlich verzögerte Einnehmen der Tabletten für die überwiegende Mehrzahl der Schilddrüsenpatienten kein Problem. Deshalb ist es ratsam den üblichen Einnahmerhythmus, z.B. immer morgens eine halbe Stunde vor dem Frühstück, auch am Urlaubsort entsprechend der Ortszeit beizubehalten. Hilfreich kann hier eine Tablettenbox mit Timer sein.

Anpassung der Medikamentendosis bei sportlicher Belastung

Das ist ein schwieriges und sehr umstrittenes Thema! Bei Einnahme eines T4-Monopräparates bringt eine Erhöhung kurzfristig keinen nennenswerten Effekt, sondern wirkt sich im Normalfall erst nach circa 10 Tagen aus. Anders sieht dies bei zusätzlicher Einnahme eines T3-Medikamentes aus. Hier ist eine Reaktion auf sportliche Belastungen zwar möglich, sollte aber mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden, um eine Schilddrüsenüberfunktion zu verhindern.

Jodhaltige Ernährung

In bestimmten Regionen (Nord- und Ostsee, Mittelmeer, Skandinavien, Asien) sind Fisch, Meeresfrüchte und Algen oft ein Hauptbestandteil der Ernährung. Die Verträglichkeit ist bei Schilddrüsenkranken individuell sehr unterschiedlich, aber um kein unnötiges Risiko einzugehen sollten Schilddrüsenkranke diesbezüglich lieber etwas zurückhaltender sein. Aufpassen müssen schilddrüsenkranke Patienten bei den gerade in Deutschland sehr beliebten Trinkkuren. Denn dabei wird nicht selten Wasser aus örtlichen Jodquellen oder neuerdings auch abgefülltes Jodwasser (z.B. Aqua Sola®, Jodis®) gereicht.

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