Jodgehalt in Biomilch und –milchprodukten?

Die Veröffentlichung der nachfolgenden Pressemitteilung des Arbeitskreises Jodmangel e. V. liegt schon einige Monate zurück. Die durchaus lesenswerten Erläuterungen stammen von Prof. Dr. Friedrich Schöne (Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft).

Auch wenn die Intention des Arbeitskreises Jodmangel e.V. selbstverständlich eine andere ist – etliche Hashimoto-Thyreoiditis-PatientInnen bevorzugen insbesondere aufgrund des geringeren Jodgehalts Biomilch sowie Biomilchprodukte.

„Ökologisch hergestellte Lebensmittel sind schon lange nicht mehr nur ein Trend, sie haben sich als fester Bestandteil der Ernährung vieler Menschen etabliert. Die Verbraucher versprechen sich von den Bioprodukten oft, dass Tiere und Umwelt besser behandelt werden. Außerdem wollen sie damit zu einer gesünderen Ernährung beitragen. Allerdings enthalten Biomilch und Biomilchprodukte zum Beispiel einen geringeren Anteil an Jod und Selen. Wie ist das möglich? Nicht nur Menschen, sondern auch Tiere benötigen Jod. Nicht zuletzt die Kuh. Schließlich vollbringt sie mit der Produktion der Milch Höchstleistungen. Ausschlaggebend für den Jodgehalt der Milch ist, wie viel Jod das Futter der Kuh enthielt. Gras- und Maisfuttermittel, aber auch Futtergetreide, sind allesamt von Natur aus jodarm, so dass Jodzusätze zum Tierfutter notwendig sind. Durch das Desinfizieren der Euter mit jodhaltigen Lösungen zur Vorbeugung von Milchdrüsenentzündungen – unter den 138 dieser sogenannten Dippmittel am deutschen Markt sind 22 jodhaltig – kann ebenfalls Jod in die Milch gelangen. Eine Mindestverfütterung an Jod ist nicht vorgeschrieben, es gibt fachliche aber leider keine per Gesetz bindenden Empfehlungen. Das bedeutet, die Jodzufuhr kann erheblich variieren – theoretisch im Bereich von einem Futter ohne Jodzusatz bis zu einem mit 5 Milligramm Jod pro Kilogramm Futtertrockenmasse, der Höchstkonzentration laut Futtermittelverordnung. Konventionell erzeugte Milch enthält nach verschiedenen Erhebungen Jod in einer Größenordnung von 100 Mikrogramm pro Liter, während Biomilch davon nur die Hälfte bis zwei Drittel enthält. Demnach füttern Biolandwirte weniger Jod hinzu als konventionelle Landwirte. In einigen wenigen Biobetrieben, die vermutlich auf einen Mineralzusatz zum Futter verzichten, wurde extrem jodarme Milch (mit weniger als 30 Mikrogramm Jod pro Liter) nachgewiesen. Manche Verbraucher sind aufgrund des Futterzusatzes von Jod verunsichert. Die erlaubten Jodverbindungen, die für Biofutter eingesetzt werden, Kaliumjodid und Natriumjodid bzw. die entsprechenden Jodate, sind allerdings für Mensch und Tier sehr gut verträglich. Das Jod, das von der Kuh über das Futter aufgenommen wurde, findet sich später auch in der Milch wieder. Daher gehören Milch und Milchprodukte, zusammen mit Jodsalz, Meeresfrüchten, Fisch und Algen, zu den wichtigsten Jodquellen in der Nahrung. Bei Algen ist jedoch Vorsicht geboten, da der Jodgehalt extrem hoch sein kann. Milch und Milchprodukte können bis zu 50% der empfohlenen Zufuhrmenge für Jod abdecken. Wer Biomilch und Biomilchprodukte konsumieren möchte, sollte seinen Jodbedarf über andere Lebensmittel decken oder seine Nahrung entsprechend ergänzen.“

Quelle: jodmangel.de