Interview mit PD Dr. Feldkamp

Auf der Homepage der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH (pharmazeutisches Unternehmen welches u.a. Schilddrüsenmedikamente herstellt) wurde vor einigen Tagen eine Pressemitteilung unter der Überschrift “Alte Irrtümer, neue Erkenntnisse” veröffentlicht. Interviewpartner des Forum Schilddrüse e. V waren die Schilddrüsenexperten PD Dr. Joachim Feldkamp (Bielefeld), Prof. Frank Grünwald (Frankfurt) und Prof. Onno Janßen (Hamburg).

Da für den 15. Oktober 2017 (Der Erscheinungstermin wurde zwischenzeitlich auf den 13. Dezember 2017 verschoben.) ein neues Buch von PD Dr. Feldkamp zur Hashimoto-Thyreoiditis angekündigt ist und seine persönliche Meinung daher von besonderem Interesse für die vielen hier mitlesenden Hashimoto-Thyreoiditis-Erkrankten ist greifen wir seinen Interviewbeitrag nachfolgend exemplarisch heraus.

Joachim Feldkamp: Gut leben mit Hashimoto: Das ganzheitliche Selbsthilfeprogramm (Amazon-Partnerlink)

[…] Hashimoto: Helfen Jodverzicht und vegane Ernährung?
Ein großer Mythos hält sich hartnäckig bei vielen Hashimoto-Patienten: Sie glauben, dass Jod für sie schädlich ist. „Das stimmt nicht. Hashimoto-Patienten dürfen Jod zu sich nehmen. Sie sollten aber darauf achten, dass es dauerhaft nicht erheblich mehr ist als die empfohlene Tagesdosis, sprich 200 Mikrogramm pro Tag“, erklärt Dr. Feldkamp. So könnten Hashimoto-Patienten etwa bedenkenlos Jodsalz verwenden, Fisch essen und Urlaub an der See machen. Auch eine spezielle Ernährung sei nicht notwendig. Manche Patienten entscheiden sich bewusst für eine vegane, vegetarische oder eine glutenfreie Ernährung, was allerdings laut Feldkamp die Erkrankung nicht ursächlich beeinflusst. Bei Hashimoto greife das körpereigene Abwehrsystem die Schilddrüse an, eine Autoimmunreaktion, die durch bestimmte Nährstoffe weder gemildert noch getriggert wird.  Die Gewichtszunahme ist ein weiterer Aspekt, den viele Patienten häufig missverstehen. Hierbei handelt es sich um ein Symptom der Schilddrüsenunterfunktion, die bei Hashimoto besteht. Normalerweise nehmen Patienten, sobald sie therapiert werden, wieder ab. Manchmal kann es jedoch sein, dass die Pfunde nicht so einfach wieder purzeln. „Ein möglicher Grund ist, dass das zur Behandlung eingesetzte Schilddrüsenhormon zu hoch dosiert wurde“, vermutet Feldkamp. Viele Patienten, aber auch Ärzte glauben bei Schilddrüsenhormonen an das Prinzip „viel hilft viel“, also dass eine hohe Dosis an Schilddrüsenhormon auch viel Gewichtsabnahme bedeutet. Das stimmt nicht. „Die Patienten haben oft durch das Schilddrüsenhormon mehr Hunger“, warnt Feldkamp und fügt hinzu: „Das Einstellen der Dosis erfordert ein wenig Geduld. Wichtig ist zum Beispiel, dass der Patient sein Schilddrüsenpräparat nüchtern einnimmt und erst eine halbe Stunde danach frühstückt einschließlich des Getränks. Hält er sich nicht an diesen Zeitplan, werden die Hormone nicht adäquat in den Blutkreislauf aufgenommen.“ Ein weiterer Grund für eine Gewichtszunahme können bei Frauen die Wechseljahre sein. „Oft entsteht ein Hashimoto während dieser Phase der hormonellen Umstellung, die auch Einfluss auf das Immunsystem hat. Der Stoffwechsel verlangsamt sich und Frauen verlieren leider nicht mehr so einfach an Gewicht wie vorher. Mit der Schilddrüse hat das aber nichts zu tun.“ […] Quelle: sanofi.de