Hashimoto-Thyreoiditis: Informationen zum Krankheitsbild

Dieser Artikel wurde zuletzt am 08.04.19 aktualisiert.

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis handelt es sich um eine autoimmun bedingte, chronische Entzündung der Schilddrüse die früher oder später fast immer zu einer Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) führt.

Definition und Ursachen der Hashimoto-Thyreoiditis

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis greift das Immunsystem die eigene Schilddrüse an.

Die Schilddrüse befindet sich vorne am Hals. Sie liegt vor der Luftröhre, knapp unterhalb des Kehlkopfes. Von vorne betrachtet hat die Schilddrüse ungefähr die Form eines Schmetterlings. Obwohl sie mit 15 – 25 g ein Leichtgewicht ist, sind die von ihr produzierten Hormone echte Multitalente. Nahezu alle Organe werden durch die beiden Schilddrüsenhormone Tetrajodthyronin   (T4, andere Bezeichnung: Thyroxin) und Trijodthyronin (T3) beeinflusst.

Die Hashimoto-Thyreoiditis (Autoimmunthyreoiditis) ist eine chronische Entzündung der Schilddrüse. Diese Entzündung wird allerdings nicht durch Viren oder Bakterien ausgelöst, sondern geht zurück auf eine Fehlsteuerung im Immunsystem. Die Abwehrzellen des Immunsystems richten sich dabei nicht wie normalerweise gegen körperfremde Eindringlinge, sondern greifen fälschlicherweise körpereigenes Gewebe an. Deswegen zählt man die Hashimoto-Thyreoiditis auch zu den Autoimmunerkrankungen.

Benannt ist die Hashimoto-Thyreoiditis nach ihrem Entdecker, dem japanischen Arzt Dr. Hakaru Hashimoto, der diese Erkrankung erstmals 1912 beschrieb. Bei der Hashimoto-Thyreoiditis gibt es zwei unterschiedliche Verlaufsformen. Zum einen die hypertrophe Variante, die durch unkontrolliertes Wachstum von Schilddrüsenzellen zu einer Vergrößerung der Schilddrüse führt und zum anderen die atrophe Variante, bei der Schilddrüsengewebe zerstört und abgebaut wird (die Schilddrüse wird kleiner). In Deutschland häufiger ist die atrophe Form, sie tritt bei rund 80 % der Erkrankten auf.

Varianten der Hashimoto-Thyreoiditis

  1. atrophe Form = Verkleinerung der Schilddrüse
  2. hypertrophe Form = Vergrößerung der Schilddrüse

Die genauen Ursachen und Auslöser für die Entstehung der Hashimoto-Thyreoiditis sind noch nicht ausreichend wissenschaftlich erforscht. Vermutet wird jedoch, daß es nicht eine einzige Ursache gibt, sondern daß mehrere Faktoren zusammentreffen müssen, damit es tatsächlich zum Krankheitsausbruch kommt. Von einer genetischen Veranlagung, chronischen Infektionen, langandauernden, stressigen Lebensphasen, Veränderungen der Sexualhormone (Schwangerschaft, Wechseljahre), übermäßiger Jodzufuhr, Rauchen, Amalgam bis hin zu einem Anstieg der Krankheitshäufigkeit nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl oder neuerdings auch eine Gluten-Unverträglichkeit werden diverse Auslöser diskutiert.

→ Themen-Spezial: Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis

Diagnose der Hashimoto-Thyreoiditis

Schilddrüsenfunktionslage und Schilddrüsenwerte

Erste Hinweise auf das Vorliegen einer Schilddrüsenerkrankung ergeben sich aus der Blutuntersuchung. Bei der Hashimoto-Thyreoiditis muss dabei zwischen den Hormonen (TSH, fT3, fT4), welche die Schilddrüsenfunktionslage (Euthyreose, Hypothyreose, Hyperthyreose) beschreiben und den Antikörpern (TPO-AK, TG-AK, TRAK), die für die Diagnose wegweisend sind, unterschieden werden.

Unabhängig davon, ob diese Blutwerte noch im Normalbereich liegen oder bereits verändert sind, sollte bei für eine Schilddrüsenerkrankung typischen Beschwerden eine Sonografie durchgeführt werden.

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Denn besonders im Anfangsstadium der Hashimoto-Thyreoiditis ist die Funktion der Schilddrüse oft noch nicht eingeschränkt, da der entzündliche Zerstörungsprozess eher schleichend verläuft und es somit auch nur sehr langsam zu einem messbaren Funktionsverlust kommt. Ein TSH um die 2 uIU/ml kann deshalb schon ein Indiz dafür sein, dass eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) vorliegt. Auch das Fehlen von Antikörpern schließt eine Hashimoto-Thyreoiditis nicht zwingend aus. Beweisend ist die Sonografie der Schilddrüse mit der Entzündungen und Größenveränderungen der Schilddrüse eindeutig nachzuweisen sind! Wird dabei ein Schilddrüsenvolumen kleiner 10 ml festgestellt, kann dies ebenfalls ein Hinweis auf eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) sein.

Krankheitsverlauf der Hashimoto-Thyreoiditis

Bedingt durch die Entzündung kommt es zu Beginn der Erkrankung zu einer Zerstörung der Hormonspeicher in der Schilddrüse, wodurch die darin enthaltenen Hormone schlagartig freigesetzt werden und Überfunktionssymptome (z. B. Schwitzen, Unruhe, Reizbarkeit, Zittern, Durchfall, Gewichtsabnahme) auftreten können. Diese Phase wird auch als Hashitoxikose oder Leck-Hyperthyreose bezeichnet.

Je mehr Schilddrüsengewebe dann im weiteren Verlauf durch die Entzündung zerstört wird, desto wahrscheinlicher wird es, dass die geschädigte Schilddrüse nicht mehr genug Homone produzieren kann, um den gesamten Organismus ausreichend damit zu versorgen. Langfristig kommt es deshalb fast immer zu einer Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion). Die Hashimoto-Thyreoiditis ist nicht heilbar!

Krankheitssymptome der Hashimoto-Thyreoiditis

Die Beschwerden, die durch eine Hashimoto-Thyreoiditis verursacht werden können, sind ausgesprochen vielseitig, weil sie nicht nur im Bereich der Schilddrüse auftreten, sondern sehr unterschiedliche Organsysteme betreffen können. Zu welchen z. T. paradoxen Beschwerden es im Einzelfall kommt und auch die Schwere der Symptome ist individuell unterschiedlich. Beeinträchtigungen sind in folgenden Bereichen möglich:

Lokalsymptome: Missempfindungen im Hals, Heiserkeit, Halsschmerzen, Kloßgefühl, ziehende Schmerzen im Bereich der Schilddrüse, lokale Hautrötungen, Schmerzen im Gesicht, Zahnschmerzen im Unterkiefer

Haut und Haare: Lidödeme, trockene Haut, Juckreiz, gelbliche Färbung der Haut, brüchige Fingernägel, Neigung zu blauen Flecken, strohige Haare, Haarausfall

Herz-Kreislauf-System: Herzrasen, Schwindel, diastolischer Bluthochdruck z. B. 140 : 110 (selten: niedriger Blutdruck), langsamer Puls (selten: schneller Puls), erschwerte Atmung

Energie- und Fettstoffwechsel: Gewichtszunahme (selten: Gewichtsabnahme), Kältegefühl, Erschöpfung, Schwäche, Lethargie, niedrige Körpertemperatur

Magen-Darm-System: Appetitlosigkeit, Übelkeit, Sodbrennen, Bauchschmerzen, Blähungen, Verstopfung (selten: Durchfall)

Muskeln und Gelenke: Muskelschwäche, Muskelverspannungen (Muskelhärten), Gelenkschmerzen, Karpaltunnelsyndrom (nächtliches Einschlafen der Finger u. Hände)

Psyche: Weinerlichkeit (selten: Reizbarkeit), Depressivität, Konzentrations- u. Gedächtnisstörungen, Nervosität, Panikattacken, Stimmungsschwankungen → Psychische Erkrankungen. Oft Fehldiagnosen bei SchilddrüsenpatientInnen

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Sexualhormone: PMS, Brustspannen, Zyklusstörungen, ungewollte Kinderlosigkeit, sexuelle Unlust

Neurologische Symptome: Gangunsicherheit, Gleichgewichtsstörungen, Schwindel, Sehstörungen, “brain fog”, Unwirklichkeitsgefühle, Koordinationsstörungen, Wortfindungsstörungen

Therapie der Hashimoto-Thyreoiditis

Die einzige schulmedizinisch mögliche Behandlungsmethode der Hashimoto-Thyreoiditis besteht in dem lebenslangen Ersatz der fehlenden Schilddrüsenhormone, d. h. Ausgleich der Schilddrüsenunterfunktion durch die tägliche Einnahme künstlich hergestellter Schilddrüsenhormone. Die Ursache der Hashimoto-Thyreoiditis ist durch diese Schilddrüsenhormontherapie jedoch nicht beeinflussbar. Wichtig ist in dem Zusammenhang, dass die Schilddrüsenhormondosis nur langsam (wochenweise um 25 µg) gesteigert wird und dass bei den regelmäßig notwendigen Therapiekontrollen (ca. alle 3 – 6 Monate) das Schilddrüsenhormonpräparat am Untersuchungstag nicht eingenommen wird!

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Bei den mit Abstand am häufigsten verwendeten Schilddrüsenhormonpräparaten handelt es sich um Monopräparate, die Levothyroxinnatrium (T4) als alleinigen Wirkstoff enthalten. Zur Behandlung einer durch die Hashimoto-Thyreoiditis bedingten Schilddrüsenunterfunktion stehen neben dieser Standardtherapie mit T4 auch Präparate zur Verfügung, die Liothyroninhydrochlorid (T3) enthalten. T3 gibt es neuerdings auch als T3-Retard, d.h. Medikament mit einer verzögerten Wirkstoffabgabe. Diese Medikamente gibt es als Monopräparate oder als Kombinationspräparate, welche neben T3 auch T4 enthalten. Darüber hinaus gibt es noch sogenannte natürliche Schilddrüsenhormonpräparate, deren Wirkstoff getrockneter Schweineschilddrüsenextrakt ist.

Vielen Betroffenen ist dank einer individuell angepassten Therapie mit Schilddrüsenhormonpräparaten ein weitgehend beschwerdefreies Leben möglich. Leider gibt es aber auch Erkrankte, die aufgrund anhaltender Symptome dauerhaft in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt sind und für die es kaum alternative Behandlungsmöglichkeiten gibt. → Themen-Spezial: Was kann man selbst tun? Nahrungsergänzung, Naturheilkunde

Jodbewusste Ernährung! Auf die Zufuhr von Jod (insbesondere in Form von Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten) soll verzichtet werden, weil im Bestreben das Jod zu verarbeiten die kranke Schilddrüse in ihrer Aktivität sonst nur noch gefördert und damit der Autoimmunprozess unnötig angeheizt würde.

Die tägliche Einnahme von 200 µg Selen kann neueren Studien zufolge die spezifischen Antikörper (TPO-AK u. TG-AK) senken. Selen wirkt dabei als Antioxidans (Radikalfänger) und verbessert die Funktionsfähigkeit des Immunsystems. Für die Umwandlung des Schilddrüsenhormons T4 (eine Art Speicherform) in die stoffwechselaktive Form T3 ist das Enzym Jodthyronin-5-Dejodase zuständig, welches wiederum von Selen abhängig ist. Letzteres ist vermutlich die Erklärung dafür, dass sich das Wohlbefinden von Hashimoto-Thyreoiditis-Erkrankten unter einer Selen-Therapie oft spürbar verbessert.

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Eine Unterfunktion der Schilddrüse geht oft mit einem Mangel an Vitamin D einher. Außerdem wird seit einiger Zeit ein möglicher Zusammenhang zwischen einem Vitamin D Mangel und der Entstehung von Autoimmunerkrankungen wie der Hashimoto-Thyreoiditis diskutiert. Die tägliche Einnahme von 1000 I.E. Vitamin D kann bereits jetzt empfohlen werden.

In seltenen Ausnahmefällen, z. B. bei einer deutlichen Vergrößerung der Schilddrüse oder auch bei anhaltenden Einstellungsproblemen, kann eine Schilddrüsenoperation notwendig werden. Leider garantiert aber auch eine Operation keine anschließende Beschwerdefreiheit. Es gibt jedoch Berichte, dass die Einstellung mit einem Schilddrüsenhormonpräparat danach sehr viel einfacher sein soll.

Für die Empfehlung weiterer Behandlungsansätze, die schon seit längerer Zeit diskutiert werden, wie beispielsweise der Einfluss einer Ernährungsumstellung auf den Krankheitsverlauf der Hashimoto-Thyreoiditis fehlt derzeit noch die wissenschaftliche Grundlage. Siehe dazu auch → Themen-Spezial: Ernährung bei Hashimoto-Thyreoiditis