Hashimoto-Thyreoiditis … gute Werte, aber kein Wohlbefinden?

Wann immer über das Krankheitsbild → Hashimoto-Thyreoiditis berichtet wird, es findet sich garantiert ein “Schilddrüsenexperte” oder noch schlimmer ein Vertreter  der Schilddrüsenselbsthilfe der die Auffassung vertritt, dass die Hashimoto-Thyreoiditis eine absolut harmlose und ohne Probleme zu behandelnde Schilddrüsenerkrankung ist. Aber das stimmt so einfach nicht, sondern die Realität sieht vollkommen anders aus!

Bis zur Diagnose der Hashimoto-Thyreoiditis ist es oft ein langer Weg

Bei mir hat es fünf Jahre gedauert bis die Diagnose Hashimoto-Thyreoiditis endlich gestellt wurde. Und damit bin ich alles andere als ein Einzelfall. Immer wieder melden sich bei mir SchilddrüsenpatientInnen denen es ganz genauso gegangen ist.

Und alle berichten darüber, dass sie unzählige Male zu unterschiedlichen ÄrztInnen gegangen sind und über die für eine Schilddrüsenfehlfunktion charakteristischen Symptome geklagt haben. Aber trotzdem wurde die Schilddrüse überhaupt nicht oder nicht ausreichend untersucht.

Keine oder nur eine unzureichende Behandlung nach der Diagnose Hashimoto-Thyreoiditis

Aber auch wenn die Diagnose Hashimoto-Thyreoiditis zweifelsfrei gestellt wurde, heißt das noch lange nicht, dass die betroffenen SchilddrüsenpatientInnen auch tatsächlich Hilfe erhalten.

PatientInnen leiden unter typischen Schilddrüsenunterfunktionssymptomen wie Schlafstörungen, Müdigkeit, Verstopfung und Gewichtszunahme, ÄrztInnen diagnostizieren eine Hashimoto-Thyreoiditis und leiten trotzdem keinerlei Behandlung ein.

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis bedeuten Schilddrüsenwerte im Normalbereich nicht automatisch, dass es den PatientInnen auch gut geht

Oft entzündet sich der Streit am → TSH-Wert. Diesem “Schilddrüsenwert” wird oft mehr Bedeutung zugemessen als sämtlichen anderen Faktoren wie beispielsweise

  • der Beschwerdeschilderung des Patienten (Schlafstörungen, Müdigkeit, Verstopfung, Gewichtszunahme)
  • äußerlich sichtbaren Anzeichen (trockene Haut, strohige Haare, Schwellungen um die Augen herum)
  • messbaren Veränderungen (Körpertemperatur, Achillessehnenreflexzeit, Blutdruck)
  • anderen Laborwerte (Cholesterin, Harnsäure, Ferritin)

Das alles zusammen genommen reicht nicht aus. Solange der TSH-Wert normal ist, glauben immer noch viele ÄrztInnen, dass die Beschwerden nicht mit der Schilddrüsenerkrankung zusammenhängen. Aber das ist falsch!

Die Hashimoto-Thyreoiditis ist mehr als eine Unterfunktion der Schilddrüse

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, die zu einer Schilddrüsenunterfunktion führt. Der Schilddrüsenhormonmangel kann medikamentös ausgeglichen werden, aber die autoimmun bedingte Entzündung der Schilddrüse kann bisher nicht behandelt werden.

Mit den Schilddrüsenwerten → TSH, fT3 und fT4 wird jedoch nur die Schilddrüsenfunktionslage dargestellt – über die Aktivität der zugrundeliegenden Autoimmunerkrankung sagen diese Werte absolut nichts aus.

Vermeintlich “gute Schilddrüsenwerte” sind also immer nur die halbe Wahrheit. Sie bedeuten nicht, dass Hashimoto-Thyreoiditis-PatientInnen beschwerdefrei sind.


Nicole Wobker:

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