Kategorie-Archiv: Zusatzbefunde “Nebenbaustellen” (Begleiterkrankungen)

Studie zu Kiefergelenkschmerzen bei PatientInnen mit Hashimoto-Thyreoiditis

Die Kieferorthopädie (Direktorin: Prof. Dr. Ursula Hirschfelder) des Universitätsklinikums Erlangen führt aktuell eine Studie durch bei der der Zusammenhang zwischen einer Schilddrüsenunterfunktion und einer Kiefergelenkserkrankungen erforscht wird. Für die Teilnahme an dieser Studie werden Probandinnen zwischen 18 und 65 Jahren gesucht die an einer Hashimoto-Thyreoiditis erkrankt sind.

Weitere Informationen unter kieferorthopaedie.uk-erlangen.de

Forscher stimulieren Kehlkopfmuskeln mit Licht

Medizinern der Universität Bonn ist es gelungen, die Kehlkopfmuskeln einer Maus mit Licht zu stimulieren. Möglicherweise ist es mit dieser Methode mittelfristig möglich, Kehlkopflähmungen beim Menschen zu therapieren. Diese können beispielsweise nach Schilddrüsen-Operationen auftreten und zu Problemen beim Sprechen sowie schwerer Atemnot führen.

Muskeln reagieren auf Nervenimpulse, indem sie sich zusammenziehen. Durch Licht lässt sich diese Kontraktion normalerweise nicht auslösen. Vor einigen Jahrzehnten wurde jedoch in Grünalgen eine exotische Molekülgruppe entdeckt, die so genannten Kanal-Rhodopsine. Kanal-Rhodopsine sind Schleusen für elektrisch geladene Teilchen, die sich bei Beleuchtung öffnen. Wenn man Kanal-Rhodopsine geeignet verpackt und in einen Muskel injiziert, werden sie in die einzelnen Muskelzellen eingebaut. Sobald man eine solche Zelle nun mit Licht reizt, öffnen sich die Kanäle. Es strömen positiv geladene Ionen in die Muskelzelle, die so zur Kontraktion angeregt wird. Forscher stimulieren Kehlkopfmuskeln mit Licht weiterlesen

Risiken der Schilddrüsenoperation, Teil 3: Rekurrensparese

Definition

Klassifikation nach ICD-10:

Andere Bezeichnung: Stimmbandlähmung

Unter einer Rekurrensparese versteht man die Lähmung (Parese) der Stimmbänder als Folge einer Schädigung des Nervus laryngeus recurrens.

Symptome

Die möglicherweise auftretenden Krankheitszeichen hängen davon ab, ob nur ein Stimmband betroffen ist oder ob eine beidseitige Stimmbandlähmung vorliegt.

Typisch für eine einseitige Rekurrensparese sind

  • Heiserkeit
  • Reizhusten

Bei einer beidseitigen Rekurrensparese kommt es zusätzlich zu

  • Atemnot
  • Atemgeräusche

Sehr selten können außer dem Nervus laryngeus recurrens auch noch weitere Nerven im Rahmen der Schilddrüsenoperation geschädigt worden sein. Dann können außerdem Schluckstörungen auftreten.

Ursachen

Der Nervus laryngeus recurrens verläuft direkt neben der Schilddrüse. Deshalb wird er bei Schilddrüsenoperationen gelegentlich (7 % vorübergehend, 1 % bleibend) in Mitleidenschaft gezogen. Desweiteren können Schilddrüsenkarzinome für eine Rekurrensparese verantwortlich sein.

Behandlung

Um eine Rekurrensparese in Folge einer Schädigung des Nervus laryngeus recurrens zu vermeiden, wird bei Schilddrüsenoperationen immer häufiger das sogenannte Neuromonitoring eingesetzt. Dabei werden Irritationen des Nervus laryngeus recurrens schon während des operativen Eingriffs mit Hilfe von elektrischen Impulsen sichtbar gemacht.

Direkt nach der Schilddrüsenoperation sollte ein HNO-Arzt die Beweglichkeit der Stimmbänder überprüfen, um eine Rekurrensparese auszuschliessen oder so früh wie möglich eine Behandlung einzuleiten.

Art und Weise der Behandlung der Rekurrensparese hängen anschliessend davon ab, ob es sich um eine ein- oder beidseitige Lähmung der Stimmbänder handelt. Bei einer einseitigen Stimmbandlähmung kann eine logopädische Stimmbandübungstherapie helfen die Auswirkungen der Rekurrensparese auf die Stimme zu verbessern. Auch eine Elektrostimulationstherapie ist möglich. Liegt hingegen eine beidseitige Rekurrensparese vor, kann ein Luftröhrenschnitt (Tracheotomie) indiziert sein, um die Atemnot zu lindern.

Risiken der Schilddrüsenoperation, Teil 2: Hypoparathyreoidismus

Definition

Klassifikation nach ICD-10:

Andere Bezeichnung: Nebenschilddrüsenunterfunktion

Beim Hypoparathyreoidismus handelt es sich um einen Parathormonmangel aufgrund einer Unterfunktion der Nebenschilddrüsen. Die insgesamt vier Nebenschilddrüsen (Glandulae parathyroideae) liegen etwas unterhalb der Schilddrüse. Sie bilden das Parathormon. Dieses Hormon ist entscheidend, wenn es darum geht für einen ausreichend hohen Calciumspiegel im Blut zu sorgen. Wenn die Nebenschilddrüsen nicht richtig funktionieren bedeutet dies, dass sie zu wenig Parathormon ausschütten. Dies bezeichnen Ärzte als Hypoparathyreoidismus. Fehlt das Parathormon kommt es in der Folge zwangsläufig auch zu einem Calciummangel, der sogenannten Hypokalzämie.

Symptome

Charakteristisch für einen Hypoparathyreoidismus sind ausgeprägte Calciummangelsymptome.

Dazu zählen beispielsweise:

  • Muskelschmerzen bis hin zu ausgeprägten Muskelkrämpfen
  • Missempfindungen wie Kribbeln oder Ameisenlaufen
  • Ängstlichkeit, Reizbarkeit und Nervosität

Auffällig sind beim Hypoparathyreoidismus auch oft das Chvostek-Zeichen (Unkontrolliertes Zucken des Mundwinkels als Reaktion auf das Beklopfen des Nervus facialis-Stammes vor einem Ohrläppchen.) und/oder das Trousseau-Zeichen (Pfötchenstellung der Hand als Reaktion auf das Aufpumpen der Blutdruckmanschette an dem betreffenden Arm).

Ursachen

Die häufigste Ursache für einen Hypoparathyreoidismus ist eine Schilddrüsenoperation. Bei gutartigen Schilddrüsenerkrankungen werden die Nebenschilddrüsen dabei manchmal versehentlich entfernt. Bei bösartigen Schilddrüsenerkrankungen (Schilddrüsenkrebs, Karzinom der Schilddrüse) gibt es häufig keine andere Möglichkeit als neben der Schilddrüse auch die Nebenschilddrüsen mit zu entfernen.

Behandlung

Vorübergehender Hypoparathyreoidismus (bis zu 25 %)*: Versehentlich entfernte Nebenschilddrüsen können durch eine Autotransplantation (Verpflanzung innerhalb des eigenen Körpers) wieder einwachsen und nehmen nach einiger Zeit dann auch die Produktion des Parathormons wieder auf. Anfangs können z.B. intravenöse Calciumgaben erforderlich sein, aber langfristig reguliert sich auch der Calciumhaushalt wieder.

Bleibender Hypoparathyreoidismus (ca. 1 %): Wenn die Nebenschilddrüsen nach einer Schilddrüsenoperation auf Dauer nicht mehr richtig funktionieren oder alle vier Nebenschilddrüsen bei der Schilddrüsenoperation entfernt wurden, müssen die betroffenen SchilddrüsenpatientInnen lebenslang Calcium und Vitamin D in Tablettenform zu sich nehmen.

Hashimoto-Thyreoiditis und Gluten bzw. glutenfreie Ernährung

… Hashimoto-Thyreoiditis, Autoimmunerkrankung, Gluten, Gliadin, Zöliakie, Glutensensitivität, Weizenallergie, “durchlässiger Darm”, Leaky-Gut-Syndrom, Zonulin …

Ist Gluten eine mögliche Ursache der Hashimoto-Thyreoiditis?

Seit einigen Jahren wird über den möglichen Zusammenhang von Hashimoto-Thyreoiditis und Gluten bzw. Gluten-Unverträglichkeit unter Hashimoto-Thyreoiditis-PatientInnen in Deutschland teilweise heftig gestritten.

Der Ausgangspunkt für diese Auseinandersetzungen sind die Veröffentlichungen von zwei amerikanischen Autoren.

  • Chris Kresser veröffentlichte 2010 den Artikel “The Gluten-Thyroid Connection” in seinem Webblog.
  • Datis Kharrazian publizierte 2014 das Buch „Schilddrüsenunterfunktion und Hashimoto anders behandeln: Wenn Sie sich trotz normaler Blutwerte schlecht fühlen. Die 22 Muster der Schilddrüsenunterfunktion“.

Kresser und Kharrazian sehen Gluten, genauer gesagt Gliadin (Gluten besteht aus Glutenin und Gliadin) als eine der wesentlichen Ursachen der Hashimoto-Thyreoiditis und empfehlen Hashimoto-Thyreoiditis-PatientInnen entsprechend eine glutenfreie Ernährung.

Eine skandinavische Untersuchung ergab diesbezüglich, dass eine glutenfreie Ernährung keinen Einfluss auf den Krankheitsverlauf der Autoimmunthyreoiditis hat (Quelle: Metso, Hyytiä-Ilmonen, Kaukinen u.a. “Gluten-free diet and autoimmune thyroiditis in patients with celiac disease. A prospective controlled study.” Scand J Gastroenterol. 2012 Jan;47(1):43-8.)

In Deutschland wurde diese Theorie bislang weder aufgegriffen noch bestätigt oder widerlegt. Es gibt deshalb auch keine eindeutigen wissenschaftlichen Belege für einen eventuellen Zusammenhang zwischen Gluten bzw. Gluten-Unverträglichkeit und Hashimoto-Thyreoiditis.

Beispielsweise Mathias Beyer (Forum Schilddrüse e.V.) meint: “Keine glutenarme oder glutenfreie Ernährung bei Hashimoto notwendig. Es wurde diskutiert, ob man eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, wie Hashimoto-Thyreoiditis, eventuell durch das Reduzieren glutenhaltiger Speisen behandeln könnte. Entsprechende Studien verliefen allerdings diesbezüglich nicht ermutigend. Es ergibt sich bisher kein Grund, Patienten mit einer Hashimoto-Thyreoiditis generell glutenarm oder sogar glutenfrei zu ernähren. Einzelverläufe, nach denen sich Hashimoto-Patient(inn)en mit Beschwerden trotz ausgeglichener Unterfunktion der Schilddrüse durch Ernährungsumstellung subjektiv besser fühlen, sind unserer Erfahrung nach jedoch oft leider nur von kurzer Dauer. Diese Beobachtungen sollten auf keinen Fall zu einer dauerhaften, massiven Einschränkung der Ernährung der Betroffenen führen.” Quelle: forum-schilddruese.de

Hierzulande geht man deswegen unverändert davon aus, dass eine genetische Veranlagung, chronische Infektionen, langandauernde, stressige Lebensphasen, Veränderungen der Sexualhormone (Schwangerschaft, Wechseljahre) sowie eine übermäßige Jod-Aufnahme die entscheidenden Faktoren im Hinblick auf die Entstehung einer Hashimoto-Thyreoiditis sind. Spezielle Ernährungsempfehlungen für Hashimoto-Thyreoiditis-PatientInnen gibt es demzufolge nicht.

Hashimoto-Thyreoiditis und Gluten bzw. glutenfreie Ernährung weiterlesen

Psychische Erkrankungen – Oft Fehldiagnosen bei Schilddrüsenpatienten!

Schilddrüsenhormone haben Eigenschaften, welche die Psyche beeinflussen können. Und als Folge einer veränderten psychischen Grundstimmung wird auch das Verhalten verändert, so dass Störungen im Schilddrüsenhormonhaushalt zu deutlichen Wesensveränderungen führen können.

Eine Schilddrüsenüberfunktion (zu viel an Schilddrüsenhormonen, Hyperthyreose) kann sich folgendermassen zeigen:

  • Unruhe (Rastlosigkeit)
  • Übersprudeln vor Ideen
  • Ungeduld (Reizbarkeit)
  • Wutausbrüche schon bei kleinsten Anlässen
  • emotionale Labilität
  • Schlaflosigkeit

„Menschen mit einer Schilddrüsenüberfunktion sind oft sehr nervös und hektisch. Da ihre innere Uhr schneller tickt, scheint ihnen alles viel zu langsam zu gehen. Das scheinbar träge Tempo der Mitmenschen veranlasst sie zu Unbeherrschtheit und häufigen Nörgeleien. Die Nächte verbringen sie oft schlaflos. Am Tag sind sie noch zusätzlich gereizt. Nicht selten reichen schon nichtige Anlässe, dass es zu Streit und Wutausbrüchen kommt. Die Mitmenschen empfinden die Wesensveränderungen des Betroffenen als belastend, und da sie meist nicht ahnen, dass sich eine Krankheit dahinter verbirgt, ziehen sie sich häufig beleidigt und enttäuscht zurück. Für den Patienten ist das eine heftige Kränkung, die ihn noch weiter in seine Probleme treibt.” (H. Kovacs: „Schilddrüse“, Südwest-Verlag, München 2002, Seite 63 ff. Wenn die Schilddrüse zu viel tut) Psychische Erkrankungen – Oft Fehldiagnosen bei Schilddrüsenpatienten! weiterlesen

Auswirkungen von Schilddrüsenhormonen auf die Funktionsfähigkeit von Magen und Darm

Ein Zuviel oder Zuwenig an Schilddrüsenhormonen  kann sich in vielfältigen Magen-Darm-Symptomen äußern.
Magen-Darm-Symptome bei einer Unterfunktion der Schilddrüse

Im Rahmen der Schilddrüsenunterfunktion kommt es aufgrund der verlangsamten Darmmotilität zu Verstopfung. Auch Völlegefühl, Übelkeit, Appetitverlust und Blähungen können auftreten. Durch die ödematöse Verdickung der Darmschleimhaut entstehen Resorptionsstörungen, die eine ausreichende Aufnahme von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen verhindern. Sehr häufig kommt es im Rahmen einer Schilddrüsenunterfunktion auch zu einer gestörten Gallenproduktion.

  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit
  • Völlegefühl
  • Bauchschmerzen
  • Blähungen
  • Verstopfung
  • Gewichtszunahme
Magen-Darm-Symptome bei einer Überfunktion der Schilddrüse

Da Schilddrüsenhormone eine anregende Wirkung auf die Darmmotilität haben führt eine Schilddrüsenüberfunktion fast immer zu Durchfall oder häufigen, weichen Stühlen. Der Überschuss an Schilddrüsenhormonen kann darüber hinaus krampfartige Magen-Darm-Beschwerden zur Folge haben. Manchmal tritt ein regelrechter Heißhunger auf. Die Passage der Lebensmittel durch den Dünn- und Dickdarm ist deutlich verkürzt, so dass es zu einer mangelhaften Ausnutzung der Nahrung mit daraus folgenden Nährstoffdefiziten kommt. Auch eine Schilddrüsenüberfunktion kann eine gestörte Gallenproduktion zur Folge haben.

  • Heißhunger
  • krampfartige Bauchschmerzen
  • Durchfälle
  • Gewichtsabnahme

Die bereits genannten Störungen im Magen-Darm-System sind bei guter Einstellung mit Schilddrüsenhormonen voll rückbildungsfähig.

Zusätzlich zu den durch eine Schilddrüsenfunktionsstörung verursachten gastro-intestinalen Beschwerden gibt es einige Erkrankungen des Verdauungsapparates, die gehäuft zusammen mit der Hashimoto-Thyreoiditis auftreten und ähnliche Symptome verursachen können.

Dazu zählen Krankheiten wie perniziöse Anämie, Autoimmunhepatitis (chronische, autoimmune Leberentzündung), Zöliakie, Morbus Crohn und Colitis ulzerosa. Auch eine Lactoseintoleranz tritt häufig auf.

Hypoglykämien (Unterzuckerungen)

Im Zusammenhang mit Funktionsstörungen der Schilddrüse entstehen bei einigen Betroffenen häufiger Störungen im Zuckerstoffwechsel. Das müssen besonders Personen, die zusätzlich unter einem Diabetes leiden, berücksichtigen.
Hyperthyreose führt zu Insulinresistenz

Bereits eine versteckte Überfunktion der Schilddrüse (subklinische Hyperthyreose) kann zu einer verstärkten Insulinresistenz führen, so dass die Blutzuckerwerte ansteigen. Außerdem wird insgesamt weniger Insulin produziert und die Insulinsensitivität ist vermindert.

Hypothyreose führt zu Hypoglykämien

Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) kommt es entgegengesetzt zu Hypoglykämien (Unterzuckerungen). Diese äußern sich in allgemeinen Symptomen wie Übelkeit und Schwindel, aber auch Symptome wie Schwitzen, Zittern, Herzklopfen, Tachykardie, Unruhe, Nervosität, Aggressivität und Hungergefühl (adrenerge Symptome) können auftreten. In seltenen Fällen kann es zu neuroglucopenischen Symptomen wie Bewusstseins-, Konzentrations-, Seh-, Sprach-, Gedächtnisstörungen, Krampfanfällen und Lähmungen kommen.

Ausgelöst werden diese Hypoglykämien häufig durch den Verzehr kohlenhydrat- oder zuckerreicher Lebensmittel (Bsp.: Brötchen mit Marmelade, Kuchen, Kekse usw.), die den Blutzuckerspiegel ansteigen lassen. Daraufhin produziert die Bauchspeicheldrüse Insulin, welches den Blutzuckerspiegel wieder absenkt.

Da Schilddrüsenhormone die Empfindlichkeit der Körperzellen auf Insulin vermindern, reagieren die Körperzellen bei einer Schilddrüsenunterfunktion, also fehlenden Schilddrüsenhormonen verstärkt auf Insulin. Als Erste-Hilfe-Maßnahme eignet sich der Verzehr von Traubenzucker oder das Trinken süßer Limonaden wie z. B. Cola, die den Blutzuckerspiegel rasch wieder ansteigen lassen. Häufiger auftretende Hypoglykämien sollten allerdings durch einen Diabetologen abgeklärt werden.

Mögliche Ursachen für Schmerzen bei Erkrankungen der Schilddrüse

Quelle: pixabay.com / User: whitesession / Lizenz: CC0

Schilddrüsenkrankheiten gelten oft als harmlose, einfach zu behandelnde und vor allem schmerzlose Krankheiten. Aber leider stimmt das nicht. Etliche SchilddrüsenpatientInnen leider unter mehr oder weniger stark ausgeprägten und entsprechend den Alltag beeinträchtigenden Schmerzzuständen. Im Hinblick darauf ist es auch für erfahrene Ärztinnen schwierig die Ursache dafür zu finden und zu behandeln.

Mögliche Gründe für Schmerzen im Zusammenhang mit Erkrankungen der Schilddrüse sind

  • hyperthyreote bzw. hypothyreote Myopathie
  • schmerzhafte Schilddrüsenentzündung
  • Symptome der Autoimmunerkrankung bei der Hashimoto-Thyreoiditis
  • Kopfschmerzen und Migräne
  • rheumatische Erkrankungen (Arthritis, Lupus erythematodes, chronic fatique syndrom, Fibromyalgie, Myasthenia gravis
  • Karpaltunnelsyndrom
  • Nährstoffdefizite (Magnesium, Calcium, Vitamin D, Eisen, Natrium)

Dieser Artikel wurde am 14. November 2017 aktualisiert.


hyperthyreote bzw. hypothyreote Myopathie

Wissenschaftlich belegt werden konnte inzwischen auch, warum es im Rahmen von Schilddrüsenerkrankungen so oft zu hormonell bedingten Muskelschmerzen (hyperthyreote bzw. hypothyreote Myopathie) sowie einer ausgeprägten Muskelschwäche kommt. Während diese Muskelschwäche bei der Hypothyreose durch eine Reduktion von Stoffwechselprozessen entsteht, ist bei der Hyperthyreose ein vermehrter Eiweißabbau in der Muskulatur dafür verantwortlich. Diese Beschwerden sind mit dem Erreichen normaler Schilddrüsenhormonwerte meist rückläufig.

schmerzhafte Schilddrüsenentzündung

Entgegen der weit verbreiteten Meinungen verläuft auch der autoimmune Entzündungsprozess bei der Hashimoto-Thyreoiditis nicht immer schmerzfrei, sondern es gibt atypische Krankheitsverläufe die mit ausgeprägten Schmerzen im Bereich der Schilddrüse einhergehen. Oft ist neben stark erhöhten Antikörpern eine Erhöhung des C-reaktiven Proteins feststellbar und es besteht Fieber. Die Behandlung mit L-Thyroxin bessert die Beschwerden meist nur geringfügig. Deshalb wird gelegentlich zusätzlich Cortison eingesetzt oder die Schilddrüse operativ entfernt. (L. Gourgiotis, N. Al-Zubaidi, M. C. Skarulis, D. A. Papanicolaou, S. K. Libutti, H. R. Alexander , M. J. Merino, N. J. Sarlis: „Successful outcome after surgical management in two cases of the “painful variant” of Hashimoto’s thyroiditis“ Endoc Pract. 2002 , 4(8): 259 – 265 / Y. C. Kon, L. J. DeGroot: „Painful Hashimoto’s thyroiditis as an indication for thyroidectomy: clinical characteristics and outcome in seven patients“ J Clin Endoc a Metab 2003, 6(88): 2667 – 2672 / H. Ohye, S. Fukata, S. Kubota, I. Sasaki, Y. Takamura, F. Matsuzuka, N. Amino, K. Kuma, A. Miyauchi: „Successful treatment for recurrent painful Hashimoto’s thyroiditis by total thyroidectomy“, Thyroid 2005, 4(15): 340 – 345).

Symptome der Autoimmunerkrankung

Aus bisher noch weitgehend ungeklärten Gründen kommt es bei den autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen Morbus Basedow und Hashimoto-Thyreoiditis darüber hinaus in bis zu 20% der Fälle zu teilweise sehr stark ausgeprägten Schmerzen in Muskeln, Sehnen und Gelenken. Typisch für die Hashimoto-Thyreoiditis (eher seltener beim Morbus Basedow) ist auch ein allgemeines Zerschlagenheitsgefühl mit Gliederschmerzen ähnlich wie bei einer schweren Grippe. Diese autoimmun verursachten Muskel- und Gelenkschmerzen können unabhängig von der Behandlung mit Schilddrüsenhormonen weiter bestehen bleiben und verstärken sich oft deutlich während der Krankheitsschübe und verschwinden manchmal vollständig wenn die Schilddrüsenentzündung „ausgebrannt“ ist. Einige Schilddrüsenexperten vermuten als Ursache für hartnäckige Muskelschmerzen und -verhärtungen ein Einwandern von Entzündungszellen in die Muskulatur. So konnten bei Hashimoto-Erkrankten bereits Antikörper gegen bestimmte Bindegewebsfasern in den Muskeln nachgewiesen werden.

Kopfschmerzen und Migräne

Nicht selten treten zudem ausgeprägte Kopfschmerzen als Begleitsymptom einer Hypothyreose auf. Obwohl die meisten Ärzte einen solchen Zusammenhang bestreiten, berichten viele Betroffene sowohl über neu aufgetretene Kopfschmerzen als auch über eine Verschlechterung bestehender Kopfschmerzen durch die Schilddrüsenerkrankung. Dies wurde inzwischen auch im Rahmen einer medizinischen Studie belegt (Moreau, Manceau, Giroud-Baleydier, Dumas, Giroud: „Headache in hypothyroidism. Prevalence and outcome under thyroid hormone therapy” Cephalalgia 1998, 18: 687 – 689).

rheumatische Erkrankungen

Ein nicht unerheblicher Teil der autoimmunen Schilddrüsenerkrankten leidet desweiteren unter anhaltenden rheumatischen Beschwerden, deren Ursache ärztlich abgeklärt werden sollte. Neben Gelenkschmerzen kann es zu regelrechten Gelenkentzündungen (Arthritis) kommen, bei denen neben Schmerzen weitere Symptome wie Rötung, Schwellung und Überwärmung eines oder mehrerer Gelenke auftreten. Hier ist besonders darauf zu achten, daß bei rund 25 % der Betroffenen der autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen weitere Autoimmunerkrankungen hinzukommen. So kommt es beispielsweise auch im Rahmen einer weiteren Autoimmunerkrankung, dem Lupus erythematodes zu Gelenkschmerzen. Betroffen sind hier besonders die Sprunggelenke. Besteht trotz Schilddrüsenhormonbehandlung neben Muskel- und Gelenkschmerzen eine starke Müdigkeit bis hin zur völligen Erschöpfung, muss an ein eventuell zusätzlich auftretendes chronic fatique syndrom oder auch eine Fibromyalgie gedacht werden. Kennzeichen der Myasthenia gravis ist eine ausgeprägte Muskelschwäche, die sich auch durch die Behandlung mit Schilddrüsenhormonen nicht beeinflussen lässt. Meist manifestiert sich diese Muskelschwäche zunächst im Bereich eines Augenlids, welches herabhängt.

Karpaltunnelsyndrom

Allgemein bekannt ist, daß eine Schilddrüsenunterfunktion eine häufige Ursache für das Karpaltunnelsyndrom ist. Dabei kommt es durch Ödembildung zu einer Druckschädigung des Medianusnervs. Im Anfangsstadium erwacht der betroffene Patient oft morgens mit dem Gefühl, die Hand sei “eingeschlafen”. Später stellen sich Missempfindungen wie Kribbeln, Prickeln, Taubheitsgefühl und Schmerzen ein. Diese Missempfindungen können von den Fingern, über die Hand bis in den Unter- oder sogar Oberarm ausstrahlen. Im weiteren Verlauf kann es zu einem Muskelschwund, insbesondere der Daumenballenmuskulatur kommen. Durch Behandlung der Hypothyreose bilden sich die Ödeme und damit auch das Karpaltunnelsyndrom häufig vollständig zurück.

Nährstoffdefizite

Zu den harmlosen – aber oft übersehenden – Ursachen für Muskelschmerzen und Muskelkrämpfe bei Schilddrüsenerkrankungen zählen Nährstoffdefizite (→ Eisen, → Magnesium, Calcium, Natrium, → Vitamin D). Durch die ödematöse Verdickung der Darmschleimhaut im Rahmen der Hypothyreose entstehen Resorptionsstörungen, die eine ausreichende Aufnahme verhindern. Bei der Hyperthyreose passieren die Nahrungsmittel den Dünn- und Dickdarm so schnell, dass für die optimale Ausnutzung der Nahrung nicht ausreichend Zeit bleibt.

Werbung:


10 Tipps zur Linderung von Muskelschmerzen

Bei anhaltenden Muskelschmerzen ist es wichtig als erstes einen Mediziner aufzusuchen und die Muskelbeschwerden abklären zu lassen.

Der Arzt fragt nicht nur nach, um welche Art von Muskelbeschwerden (Muskelschwäche, Muskelkrämpfe und/oder Muskelschmerzen) es sich handelt, sondern kann auch feststellen, ob die Schilddrüsenstoffwechsellage richtig eingestellt ist (Euthyreose) oder ob noch eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) beziehungsweise eine Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose) besteht. Außerdem untersucht er ob zusätzlich zur Schilddrüsenerkrankung noch weitere Krankheiten bestehen die ebenfalls eine Ursache für Muskelbeschwerden sein können.

10 Selbsthilfetipps bei Muskelschmerzen

  1. Kurmäßige Einnahme von Mineralstoffen (insb. Calcium, Magnesium), Spurenelementen (insb. Eisen) und Vitaminen (insb. Vitamin D, Vitamin B12).
  2. Heiße Wannenbäder mit Zusätzen von Arnika, Eukalyptus, Fichtennadel, Rosmarin, Thymian oder Wacholder.
  3. Regelmäßige Bewegung sowie Gymnastik- und Dehnungsübungen.
  4. Einnahme des Schüssler Salzes Nr. 7 (Magnesium phosphoricum) als “heiße Sieben”.
  5. EMS/TENS-Anwendungen
  6. Massagen z.B. mit Ölen, die Arnika, Johanniskraut- oder Roßkastanienextrakte enthalten
  7. Einnahme von Teufelskralle-, Weihrauch- oder Chinarinde-Präparaten
  8. Rotlicht-Bestrahlungen
  9. ABC-Wärmepflaster (ABC = Arnika, Beinwell, Campher)
  10. Homöopathische Mittel, z.B. Arnica, Bryonia oder Rhus toxicodendron, jeweils in der Potenz D12

Findet der Arzt keine andere Ursache für die Muskelschmerzen liegt die Vermutung sicher nahe, dass es einen Zusammenhang zur Schilddrüsenerkrankung gibt. Endgültig beweisen lässt sich dies in der Regel aber nicht. Dann geht es in der Regel auch um die Frage was man selbst tun kann um die Muskelschmerzen zu lindern