Kategorie-Archiv: Schilddrüsenknoten

Schilddrüsenknoten – gutartig oder bösartig? Ultraschall-basierte Methode verbessert die Diagnose

Etwa jeder dritte Erwachsene in Deutschland hat Knoten in der Schilddrüse. Doch sind diese bösartig oder gutartig? Das zu unterscheiden ist nicht einfach. Die diagnostische Differenzierung ist jedoch maßgeblich für die Therapiewahl – noch immer werden dafür viele Schilddrüsenknoten operiert. Eine Multicenter-Studie der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) macht Hoffnung auf eine operationsfreie Diagnose. Sie zeigt, dass Ultraschall als bildgebendes Verfahren gemeinsam mit einer Ultraschall-basierten Messung der Gewebeelastizität, der Strain Elastografie (SE), die differenziertere Unterscheidung zwischen gut- und bösartigen Knoten deutlich verbessert.
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Schilddrüsenknoten bleiben oft unbemerkt

Da die Schilddrüse in der Regel weiterhin normal arbeitet, werden Schilddrüsenknoten von den PatientInnen zunächst meist nicht wahrgenommen.

Schilddrüsenknoten wachsen häufig sehr langsam. Erst wenn die Knoten in der Schilddrüse mit der Zeit größer werden, bemerken die PatientInnen das etwas nicht stimmt. Manchmal ist dann bereits eine kleine Beule am Hals fühl- oder sogar sichtbar.

Außerdem können noch verschiedene andere Symptome von Schilddrüsenknoten hinzu kommen. Zum Beispiel

  • Schluckbeschwerden
  • Kloßgefühl
  • Heiserkeit
  • Räusperzwang
  • Druckgefühl bzw. Schmerzen beim „Draufdrücken“

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Thermoablative Verfahren zur Behandlung von Schilddrüsenknoten

Begriffsklärung Thermoablation

thermo, griech. thermos = warm, heiß

Ablation, lat. ablatio = Abtragung, Ablösung

Als Thermoablation bezeichnen Ärzte die Entfernung von Gewebe (hier: Knoten in der Schilddrüse) mit Hilfe von Hitze.

Unterschiedliche thermoablative Verfahren

Thermoablation ist ein Oberbegriff unter dem verschiedene Methoden zur Behandlung von gutartigen Schilddrüsenknoten zusammengefasst werden.

Thermoablative Therapien sind:

  1. HIFU = Ablation mit hochintensivem fokussiertem Ultraschall,  nicht-invasiv (ohne Verletzung der Haut) mehr, auch: Echotherapie
  2. RFA = Radiofrequenzablation,
    örtliche Betäubung,  minimal-invasiv mittels einer Sonde Österreichische Schilddrüsengesellschaft (Prof. Dr. Harald Dobnig): Radiofrequenz- und Laserablation, auch: RITA = radiofrequenz-induzierte Thermoablation
  3. MWA = Mikrowellenablation,
    örtliche Betäubung,  minimal-invasiv mittels einer Sonde mehr
  4. LITT = laserinduzierte Thermotherapie,
    Vollnarkose

Bei Schilddrüsenknoten die krebsverdächtig sind ist die Thermoablation als Behandlungsmethode nicht geeignet. Das bedeutet, immer wenn der Verdacht auf Schilddrüsenkrebs besteht, muss eine herkömmliche Schilddrüsenoperation durchgeführt werden. Thermoablative Verfahren zur Behandlung von Schilddrüsenknoten weiterlesen

Chirurgische Therapie der Struma nodosa

Im Deutschen Ärzteblatt wurden aktuell gleich zwei Artikel zur chirurgischen Therapie der Struma nodosa veröffentlicht.

N. Rayes, D. Seehofer, P. Neuhaus: „Chirurgische Therapie bei beidseitiger benigner Struma nodosa: Abwägung zwischen Radikalität und Komplikationen„, Dtsch Arztebl Int 2014; 111(10): 171-8; DOI: 10.3238/arztebl.2014.0171

R. Gärtner: „Struma nodosa: Umsichtige Indikation zur Operation„, Dtsch Arztebl Int 2014; 111(10): 169-70; DOI: 10.3238/arztebl.2014.0169

Heiße oder kalte Knoten in der Schilddrüse sind ein relativ häufiger Befund. Aber auch wenn diese nur selten bösartig sind, haben viele betroffene PatientInnen Angst vor Schilddrüsenkrebs. Die Folge ist, dass sie gemeinsam mit ihren behandelnden ÄrztInnen oft vorschnell die Entscheidung zu einer operativen Entfernung der Schilddrüse treffen. Deshalb möchte ich an dieser Stelle noch einmal auf das vor wenigen Monaten veröffentlichte Interview mit Prof. Dr. Georg Brabant hinweisen, der sich zu diesem Umstand äussert und auf die Frage eingeht, wann eine Operation der Schilddrüse wirklich indiziert ist.

Häufigkeit von Schilddrüsenknoten und Schilddrüsenkrebs

Knoten in der Schilddrüse kommen häufig vor, aber nur ein sehr kleiner Teil davon ist bösartig (Schilddrüsenkrebs).
Schilddrüsenknoten

Schilddrüsenknoten sind ein ausgesprochen häufiger Untersuchungsbefund. Aufgrund von verschiedenen in der Vergangenheit durchgeführten wissenschaftlichen Untersuchungen gehen Ärzte davon aus, dass rund 20 Prozent der Bevölkerung einen oder mehrere Knoten in der Schilddrüse haben. Deutschland hat aktuell ungefähr 80,7 Millionen Einwohner. Das bedeutet 16,1 Millionen Deutsche haben Schilddrüsenknoten. Die meisten allerdings ohne davon zu wissen.

Die Wahrscheinlichkeit einen Knoten in der Schilddrüse zu entwickeln nimmt mit steigendem Lebensalter zu. Von den älteren Menschen (Lebensalter > 65 Jahre) hat allgemeinen Schätzungen zufolge sogar jeder Dritte einen Schilddrüsenknoten. Im Hinblick darauf spielt auch eine entscheidende Rolle, dass die Jodversorgung in Deutschland früher schlechter war und Jodmangel als eine wesentliche Ursache von Schilddrüsenknoten angesehen wird.

Schilddrüsenkrebs

Die Zahl der jährlichen Krebs-Neuerkrankungen liegt deutschlandweit insgesamt bei ungefähr 425.000. Nur ein kleiner Bruchteil davon entfällt auf Schilddrüsenkrebs. Schilddrüsenkarzinome zählen zu den seltenen Krebserkrankungen. Neu an Schilddrüsenkrebs erkranken pro Jahr rund 5300 Personen.

Im Hinblick darauf ist wichtig, dass Frauen deutlich häufiger von Schilddrüsenkrebs betroffen sind als Männer. Ganz konkret: Von den oben genannten 5300 neu diagnostizierten Schilddrüsenkrebs-PatientInnen sind 3650 Frauen und 1650 Männer.

Außerdem ist zu erwähnen, dass die Anzahl der Schilddrüsenkrebserkrankungen in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Über die Ursachen für diesen Anstieg sind sich die Wissenschaftler allerdings nicht einig. Oftmals wird dies einfach auf eine verbesserte Diagnostik zurückgeführt.

Quellen:

  • H. Völzke, J. Ludemann u.a. „The prevalence of undiagnosed thyroid disorders in a previously iodine-deficient area.“ Thyroid 2003; 13: 803–10)
  • Zentrum für Krebsregisterdaten, Robert Koch-Institut, Schilddrüse – C73. Einzelkapitel aus “Krebs in Deutschland 2009/2010)

Deutsches Zentrum für Thermoablation zur Behandlung von Schilddrüsenknoten in Frankfurt gegründet

Am Universitätsklinikum wurde das Deutsche Zentrum für Thermoablation zur Behandlung von Schilddrüsenknoten gegründet, um die international herausragende Frankfurter Expertise auf diesem Gebiet weiterzuentwickeln und andere Standorte beim Einsatz der Techniken zu unterstützen.

Die Klinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Frankfurt ist international führend in der Schilddrüsenbehandlung. Sie bietet heute eine größere Bandbreite thermoablativer Verfahren gegen Schilddrüsenknoten an als irgendeine andere Klinik in Deutschland. Unter Thermoablation versteht man die Behandlung von erkranktem Gewebe durch Hitze. Um diese Verfahren weiterzuentwickeln und die Expertise weiterzugeben, wurde jetzt das Deutsche Zentrum für Thermoablation gegründet. Die Institution mit Sitz am Universitätsklinikum Frankfurt hat das Ziel, die Thermoablation von Schilddrüsenknoten in Deutschland zu optimieren und den ärztlichen Austausch über Erfahrungen mit den verschiedenen thermoablativen Verfahren zu fördern. „Wir erhalten zahlreiche Anfragen aus dem In- und Ausland. Für deren konstruktive Beantwortung und die weitere Verbesserung der Therapien wollen wir mit dem Zentrum ein geeignetes Forum schaffen“, erläutert Prof. Frank Grünwald, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin und Vorsitzender des Zentrums. Deutsches Zentrum für Thermoablation zur Behandlung von Schilddrüsenknoten in Frankfurt gegründet weiterlesen

Szintigrafie bei Schilddrüsenknoten

Schätzungen zufolge hat jeder dritte Deutsche einen oder mehrere Knoten in der Schilddrüse. Dabei handelt es sich entweder um heiße oder kalte Knoten.

Schilddrüsenknoten können sich bei der Sonografie als echoarm (dunkel), echonormal oder echoreich (hell) darstellen. Heiße Knoten sind in der Regel echonormal oder echoreich. Kalte Knoten sind häufig – nicht immer – echoarm (dunkel). Aber eine Sonografie als alleiniges Diagnoseverfahren ist zu unsicher. Deswegen sollte immer zusätzlich eine Szintigrafie durchgeführt führen.

Die Szintigrafie ermöglicht die Unterscheidung zwischen heißen und kalten Schilddrüsenknoten.
Die Szintigrafie ermöglicht die Unterscheidung zwischen heißen und kalten Schilddrüsenknoten.

Die Strahlenbelastung bei einer Szintigrafie der Schilddrüse ist sehr gering. Sie entspricht ungefähr 0,5 msv. Zum Vergleich: Die natürliche Strahlenbelastung der wir ausgesetzt sind liegt bei 1 – 3 msv pro Jahr. Es besteht also wirklich kein nennenswertes, gesundheitliches Risiko, wogegen der diagnostische Nutzen klar im Vordergrund steht. Die Szintigrafie ist ein schmerzfreies und nebenwirkungsarmes Untersuchungsverfahren. Szintigrafie bei Schilddrüsenknoten weiterlesen

Behandlungsmöglichkeiten bei Schilddrüsenknoten

Kleinere Schilddrüsenknoten (Durchmesser < 1 cm) müssen oft überhaupt nicht behandelt, sondern nur in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden. Dafür stehen dem Arzt verschiedene Untersuchungsmethoden (Palpation, Sonografie, Szintigrafie, Feinnadelbiopsie) zur Verfügung.

Mit diesem Warnzeichen werden radioaktive Substanzen gekennzeichnet.
Mit diesem Warnzeichen werden radioaktive Substanzen gekennzeichnet.

Heiße Knoten können entweder mit Hilfe einer Radioiodtherapie der Schilddrüse erfolgreich behandelt werden oder operativ im Rahmen einer Schilddrüsenoperation entfernt werden.

Kalte Knoten nehmen nicht am Jodstoffwechsel der Schilddrüse teil. Sie sind deswegen auch nicht durch eine Radioiodtherapie behandelbar. Wenn eine Bösartigkeit nicht mit letzter Sicherheit ausgeschlossen werden kann, kommt zur Behandlung von kalten Schilddrüsenknoten also nur eine Schilddrüsenoperation in Betracht.

Ursachen von Schilddrüsenknoten und Schilddrüsenkrebs

Ursachen von Schilddrüsenknoten

Die Ursachen für Schilddrüsenknoten konnten bislang noch nicht restlos geklärt werden. Fest steht jedoch, dass es eine Abhängigkeit von der Aufnahme des Spurenelementes Jod gibt. In Gegenden mit einer guten Jodversorgung treten Schilddrüsenknoten seltener auf als in einem Jodmangelgebiet.

Als mögliche Ursachen für Schilddrüsenknoten gelten

  • Unterversorgung mit dem Spurenelement Jod
  • höheres Lebensalter (über 45 Jahre)
  • genetische Veränderungen
Ursachen von Schilddrüsenkrebs

Die Ursachen für das Entstehen der undifferenzierten (anaplastischen) und differenzierten (follikuären, papillären) Karzinome sind bisher nicht eindeutig bekannt.

Als mögliche Risikofaktoren gelten

  • Bestrahlungen des Halses im Kindes- und Jugendalter
  • länger bestehende Schilddrüsenvergrößerungen mit Bildung kalter Schilddrüsenknoten
  • radioaktive Strahlung: Gesichert ist, dass es nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl als Folge der freiwerdenden Radioaktivität zu einem gehäuften Auftreten von Schilddrüsenkrebserkrankungen bei Kindern in der Ukraine und in Weissrussland gekommen ist (C. Reiners: “Die Folgen von Tschernobyl“, Dt. Ges. f. Nuk.med). Nach Angaben des Institut national de la santé et de la recherche médicale (INSERM) haben auch die von Frankreich durchgeführten Atomwaffentests in Französisch Polynesien (Südsee) zu einer Zunahme der Schilddrüsenkrebserkrankungen bei den Inselbewohnern geführt, so dass radioaktive Strahlung inzwischen als eine mögliche Ursache von Schilddrüsenkrebs belegt wurde. Auch als Folge der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki stiegen in den betroffenen Gebieten die Erkrankungsraten an.
  • Beim medullären C-Zell-Karzinom kann eine genetische Veranlagung, d.h. eine Veränderung im Erbgut (Mutation des Chromosom 10) eine Rolle spielen.